Dank pharmakologischer Hilfe schlief ich am nächsten Morgen aus und wurde am Mittag von Peter abgeholt.Erster Punkt war Sushi-Essen auf der Erol-Street, einer kleinen Einkaufsstraße nur zwei Blocks von mir entfernt. Das Stäbchenessen blieb mir erspart (dazu kommen wir später noch einmal), denn das australische Sushi hat die Höhe meiner aufgestellten Faust, etwa den gleichen Durchmesser und ist total lecker!
Als Nächstes stand Besichtigung des VIDRLs auf unserem Programm. Direkt gegenüber des Royal Melbourne Hospital gelegen steht das alte Fabrikgebäude, in dem das Institut untergebracht ist und DIE HABEN ALLES DA! Top ausgestattete Labors der Sicherheitsstufen 2+3, in denen ich arbeiten werde, ein Labor der Stufe 4 (ja, wie im Film "Outbreak"). Dieses Labor ist auch der Grund, warum ich keine Fotos machen wollte: das VIDRL ist nicht nur Referenzlabor für Grippe und Tuberkulose, sondern auch das Zentrum für Bioterrorismus - Fotos währen sicher unangebracht gewesen. Auf mich wartete ein Schreibtisch, ein Computer: einfach alles da.
Ich wurde jedermann vorgestellt, verlor aber schnell den Überblick. So viele neue Gesichter... aber alle sehr nett!
Nach einer kurzen Verschnaufpause in meinem neuen Zuhause, das nur fünf Minuten vom Labor entfernt ist, holte ich Peter vom VIDRL ab und wir gingen gemeinsam in die Stadt. Für den Abend war nämlich ein grosses Diner geplant: Prof. Hans Tillmann, mein Doktorvater und Initiatior meines Aufenthaltes hier, hatte nämlich an einer Konferenz in Sydney teilgenommen und unternahm gemeinsam mit Barbara, seiner Ehefrau, einen kleinen 800Kilometer-"Ausflug" um mich in meiner Wahlheimat für die kommenden sieben Monate zu begrüßen.
Peter und ich waren etwas zeitiger aufgebrochen um noch einen kurzen Rundgang durch die Innenstadt zu machen. Der CBD (Central Business District) ist keine zwanzig
Gehminuten vom VIDRL entfernt. Die Architektur ist sehr modern: viel Glas, viel Stahl, Hochhäuser - doch ab und zu ein Haus was aus der Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts stammen mag. Wir waren sogar so früh, dass es noch für ein Bierchen am Federation Square reichte. Ich hab mir ein Lager aufschwätzen lassen. Nicht schlecht, aber auch nicht das beste Bier was ich getrunken habe. Apropos Bier: hier wird nicht nur Fosters getrunken. Nach der allgemeinen Meinung ist es sogar das schlechteste Bier, dass in Australien produziert wird.Warum dann ausgerechnet dieses Bier importiert wird, konnte mir jedoch keiner plausibel machen. Vielleicht zur Abschreckung?
Diner hatten wir im "Gingerboy" (http://www.gingerboy.com.au/) einem total angesagten Thai-China-Restaurant in Chinatown. Neben Hans, Barbara, Peter und mir nahmen noch Lily und Anna aus meiner neuen Arbeitsgruppe und Guy, Annas Ehemann, an dem Essen teil. Letzterer war übrigens der einzige am Tisch, der sein Geld mit ehrlicher Arbeit (als Architekt), verdient.
Das Essen war klasse. Wir hatten uns für ein Menü entschieden, bei dem der Koch bestimmte, was uns serviert wurde. So wurden uns nach und nach allerlei Leckerei angeboten, die ich zu einem guten Teil noch nie gekostet hatte, wie z.B. Jakobsmuscheln.
Peinlicherweise war ich der einzige am Tisch, der nicht mit Stäbchen essen konnte. Zwar hatte ich das erst zu Pfingsten in Berlin in mühsamer Kleinarbeit beigepuhlt bekommen und so einen Abend im Sushi-Restaurant ohne Zwischenfälle überstanden, doch das Bewegungszentrum meines Gehirns hatte sich anscheinend den Abend freigenommen. Naja, dank all der Chinarestaurants hier werde ich sicher ausreichend Übungsmöglichkeiten haben. Wer auch immer mich besuchen kommt: packt die große Brieftasche ein und führt mich ins Gingerboy aus! Bis dahin kann ich auch mit Stäbchen essen.
Nach einem tollen Abend musste ich nur noch von Hans Abschied nehmen, den ich voraussichtlich für eine Weile nicht sehen werde, da er nach USA umsiedelt. Als wir uns verabschiedeten wünschte er mir alles Gute und gab er mir nicht nur eine Dankeschön-Karte für sein Hochzeitsgeschenk, sondern schenkte mir auch Süßigkeiten (nicht dass ich momentan so aussehe, als ob etwas mehr auf den Rippen vertragen könnte).
Wer Hans kennt, wird sich, wie ich, über dieses Verhalten wundern - normalerweise geht der Fluss der Süßigkeiten nämlich zu Hans hin und nicht von ihm weg...
servus Hans!
AntwortenLöschenDas hört sich alles superspannend an. Find ich echt klasse wie sehr sich deine Doktorväter alle um dich kümmern. wenn ich da an Auckland denke??? Mich hat jedenfalls keiner ins Thai-Restaurant eingeladen. Na ja. Ich höre dir gehts gut, dass ist die Hauptsache...
Servus Peter
dobri dan hachri...
AntwortenLöschenschön, dass es dir gut geht in down under und schön, die sachen hier zu lesen. irgendwie spannend.
vergiss nicht wo du herkommst und genieß die zeit.
esch