Mittwoch, 25. Juli 2007

"Hans Damerow, Wilkomen"

Der zweite Flug war erheblich angenehmer. Nachdem ich in der Nacht zweimal aufgestanden und ins Bad gerast war - in der Annahme ich müsse dringend zum Flughafen (das erste Mal war um 23:00, und ich war erst um 22:00 ins Bett gegangen...), liess ich mich von einem der anscheinend immer vor dem Hostel bereit stehenden Taxis zum Flughafen bringen. Offensichtlich wollte der Fahrer Maut sparen, denn statt des Expressways fuhren wir lange und mit halsbrecherischem Tempo durch die Stadt. Allerdings, bedenkt man, dass in dieser Stadt über 6 Millionen Menschen leben, wundert man sich, wenn man um 05:00 unterwegs ist: die Straßen sind wie ausgestorben, ab und an ein Tuk-Tuk oder eine Fahrrad getriebene Garküche, aber die Fenster sind dunkel und die Bürgersteige hochgeklappt.
Sicherheit wird auch am Bangkok Airport Airport großgeschrieben. In Gegensatz zu Frankfurt und Frankfurt/ Hahn (weiter reichen meine Globetrottererfahrungen leider nicht) fühlt man sich hier aber nicht wie der Insasse eines Hochsicherheitsgefängnisses. Die Sicherheitsbeamten sind höflich und zurückhaltend, kennen die Worte bitte und danke - sehr angenehm insgesamt.

Der Flug, ebenfalls sehr angenehm, war entspannt. Das Entertainmentprogramm war endlich wie auf der Website der Airline versprochen (Bildschirme in den Sitzen und vorallem eine Riesenauswahl an Musik!). Kein fetter Kerl, weder zu meiner Rechten noch zu meiner Linken, aber Ihr wisst ja: Ausnahmen bestätigen die Regel!
So kam ich gutgelaunt und entspannt am Melbourner Flughafen an. Die Entspannung wich jedoch bald einer gewissen Anspannung, denn die australischen Grenzkontrollen sind äußerst gründlich. Ich wurde von mehren Hunden beschnüffelt (dem Spürhund für Lebensmittel, dem für Drogen...) und musste meine Rucksack röntgen lassen. Nun stellt sich natürlich die Frage: der Hans ist doch ein gesetzestreuer Bürger? Warum fürchtet er sich so vor dem Zoll? Die Antwort lautet: ich hatte meinem Halbjahresvorrat an Betablockern dabei! Und wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt sind größere Mengen Pillen + Ankunft aus Südostasien = äußerst verdächtige Kombination. Meine Sorgen waren gottseidank unbegründet. Der süße Beagle von der Lebensmittelkontrolle bestand zwar darauf eine Nase von meinem Handgepäck zu nehmen, hatte aber nichts zu melden.
Als ich den Ankunftsbereich verließ fand ich leicht versteckt hinter einer Säule einen verknautscht aussehenden großen blonden Mann mittleren Alters, der einen zerknitterten Zettel hochhielt auf dem "Hans Damerow, Wilkomen". Ich hatte Peter Revill, meinen Supervisor, und den Mann, der mein Auslandssemester organisiert hat, gefunden!

Gemeinsam fuhren wir in die Stadt, Peter gab mir vom Taxi aus eine kurze Führung durch das Viertel in dem ich wohne und in dem sich auch das Institut befindet. Viel konnte man nicht sehen - schließlich war es mitten in der Nacht. Die Uhrzeit mag vielleicht auch Grund warum mein neuer Mitbewohner George etwas merkwürdig guckte, als ich verkündete jetzt noch Joggen zu wollen.
Egal, ich drehte noch eine Runde durch das Viertel und mit pharmakologischer Hilfe, schließlich war ich komplett aus dem Zeitrahmen, schlief ich in meinem neuen Zuhause ein.

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