Samstag, 28. Juli 2007

Mein erstes Wochenende in Down Under

Ja, ich habe hier wirklich ein Wochenende. Das erste seit Jahren an dem ich kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich eigentlichen Lernen oder im Labor sein sollte!

Das Jetlag beutelt mich doch sehr, so dass ich umso stolzer war, als ich am Samstag ohne Hilfe um 10:00 aufwachte. Ich gammelte noch zehn Minuten im Bett um mich dann auf dem Weg zum Queen Victoria Market zu machen. Als ich George, meinen Mitbewohner, von meinem Vorhaben erzählte, schaute er mich nur komisch an und fragte mich, was ich dort wolle. Der Markt schließe doch gleich. Ob er mich verarschen wollte fragte ich ihn nicht. Zum einen, weil ich es mir nicht gleich mit meiner neuen Hausgemeinschaft verderben wollte, zum anderen, weil mir in dem Moment schlicht das Vokabular fehlte. Stattdessen prüfte ich noch einmal meine Uhr und stellte fest, dass ich sie falsch herum abgelesen hatte: statt zehn Stunden hatte ich sechzehn geschlafen. Es war 15:30.

Ich entschloss mich trotzdem in die Innenstadt zu laufen. Schließlich sind 20kg Gepäck, das ist das Limit bei Thai-Air, nicht viel für ein halbes Jahr und mir fehlte es an essentiellen Dingen, wie z.B. einem zweiten Handtuch. Die Stadt war zwar voll, aber das Einkaufen machte trotzdem Spaß. Viele kleine Läden mit freundlicher Bedienung ("How was Your day, man?") und ich konnte in der kurzen Zeit die mir bis 18:00 blieb noch einiges Erledigen.

Nach all dem Shoppingstress wollte ich mir noch in dem Pub am Federationsquare, in dem ich am Donnerstag mit Peter war, ein Bierchen gönnen. Auf der Elizabeth Street fiel mir die Kirche auf, die im Vergleich zu all den Hochhäusern, winzig wirkte. "Catholic services: saturday 6:00". Naja, dachte ich, was Du samstag kannst besorgen - so kam ich zu meinem ersten komplett englischsprachigen Gottesdienst. Bei den meisten Sachen kam ich ohne Probleme mit, allerdings murmeln die Australier beim Beten wie alle anderen auch, so daß Gott noch eine Weile damit klarkommen muss, daß ihn jemand aus Australien auf Deutsch vollnervt.

Meine Bitte um gutes Bier wurde jedenfalls erhört, denn als ich so am Federation Square mein Krusovice muffelte (ja, das ist ein tschechisches Bier, aber ich musste meine Geschmacksnerven mal nullen) viel mir das hell erleuchtete Stadion ein Stück den Yarra aufwärts auf. Yarra aufwärts muss eigentlich Yarra abwärts heißen, der Fluß fließt nämlich verkehrt herum. Hepatitis A kann man sich in seinem Wasser auch holen!
Zurück zum Stadion. Es war nur etwa anderthalb Kilometer entfernt und ich konnte nicht widerstehen. Hin zum Ticketschalter, den Verkäufer erstmal gefragt, was überhaupt gerade stattfindet und schon saß ich bei meinem ersten Aussie rule Footballspiel!

Aussie Football ist ein Sport, dem ich definitiv mal ein Kapitel widmen muss. Was ich bis jetzt verstanden habe: es gibt mindestens fünf unterschiedliche Parteien auf dem ovalen Feld. Zwei davon rennen dem Ball hinterher und sind definitiv in der Überzahl. Eine Partei bringt den Spieler Wasser und was die beiden neonfarbenen Gruppen machen, weiß ich auch nicht. Einige Tore bringen nur einen Punkt, andere sechs, aber welche das genau sind???
Ich ließ die Regelkunde Regelkunde sein und genoss die Atmosphäre. Die ist nämlich mit der Stadionstimmung beim deutschen Fußball zu vergleichen: es wird geflucht und geschrien, dass sich die Balken biegen, aber die Pausen werden für gepflegte Konversation genutzt. Mein Hintermann hätte seinem Vokabular und seiner Lautstärke nach ein 130kg schwerer Hooligan mit tätowierten Unterarmen sein müssen. Als ich mich in einer Unterbrechung mal vorsichtig umdrehte stellte ich fest, dass es um einen zwar beleibten, aber völlig ungefährlichen Rentner handelte.
Die Sicherheitstandards sind - was für Sicherheitsstandards? Meine große Umhängetasche wurde am Einlass nicht kontrolliert. Die Fans beider Mannschaften sitzen zusammen in den gleichen Blocks und fluchen abwechselnd über die gegnerische Mannschaft oder gemeinsam über den Schiedsrichter. Polizisten habe ich auch nur einmal gesehen.

Die Stimmung ist sehr freundlich (es sei denn Du bist der Unparteiische). Wenn Du von Deinem Sitz aufstehen muss, um jemanden durchzulassen kommt prompt " 'xcuse me, chap". Rempeleien am Auslass nach dem Spiel gab es auch nicht.

Am Sonntag holte ich meinen Einkauf auf dem Queen Victoria Market nach. Dem Markt muss ich auch mal ein Kapitel widmen. Kurz gesagt: man kriegt dort alles und vor allem Obst ist dort auch im australischen Winter spottbillig. Den Nachmittag verbrachte ich in der Victorian National Art Gallery, die Ausstellung "Guggenheim Collection 1940 - now" ansehen. Zwar hatte ich bis kurz vor meiner Abreise in Frankfurt geglaubt, ich könne nichts mit bildender Kunst anfangen, doch nachdem mit Philips Städelführung eines Besseren belehrt hatte, war ich bereit für diese Ausstellung.
Ich fand es sehr nett, denn obwohl es recht voll war, klebten die meisten Leute an den Beschreibungen statt sich die Bilder anzusehen, so daß ich die Ausstellung in Ruhe geniessen konnte. (Falls Ihr mal zuviel Geld habt: Jackson Pollocks "Two" gefiel mir sehr gut!)
Den Rest des Tages kämpfte ich mit meinem Computer. W32/parite, das Virus was ich längst besiegt geglaubt, ist wieder da! Leider hat es sich in den Explorer eingenistet und ich kann die Datei nicht bereinigen lassen: muss also die Festplatte formatieren...
(Womit ich jetzt eigentlich schreibe, wenn der Computer verseucht ist? Tja, liebe Gemeinde, ich bin Euch um nicht nur um 8 Stunden voraus...)

1 Kommentar:

Unknown hat gesagt…

Nun ja, jetzt biste ja wieder online. Am BEsten installier Dir auch gleich Skype, dann kannste mit allen gut Telefonieren, ohne dass es was kostet;)

Wünsche Dir noch viel Spass,
Silke
aka die Monsterpatin