Seit Peter, mein Chef, erfahren hatte, dass ich ein mehr oder weniger engagierter Jogger bin, war er ganz scharf darauf, mit mir den Melbourne Halbmarathon zu laufen.
Peter ist zwar ein paar Jahre älter, hat aber viel längere Beine als ich. So gleicht sich der Altersunterschied aus und wir geben ein ganz vernünftiges Laufduo ab. Dienstags und Donnerstag nach der Arbeit war Training angesagt...
Die erste Hürde, die wir zu meistern hatten, war die Anmeldung. Es stellte sich heraus, dass sich weder Peter noch ich uns die Mühe gemacht hatten, die Teilnahmebedingungen richtig zu lesen. Als wir uns für den Lauf einschreiben wollten, war die Anmeldefrist schon seit einer Woche abgelaufen. So kam es, dass wir uns statt des Halbmarathons für den "Melbourne Coffee Run" über die Distanz von 10km anmelden.
Wer sich bei dem Namen an Kaffeefahrt erinnert fühlt, dem ergeht es so wie mir. Glücklicherweise konnten wir uns noch für diesen Lauf anmelden. Die nächste Kategorie wäre der "Happy Feet Run" über 5km gewesen.
Während wir uns mental und körperlich auf den Lauf vorbereiteten erwarteten die Zusendung unserer Starternummern. Schließlich ist die Teilnahme an einem sogenannten "Fun Run" eine ernsthafte Angelegenheit, für die man ein Startgeld entrichtet und im Gegenzug eine Startnummer mit Chip erhält, über den sich die genaue Laufzeit stoppen lässt. Am Vorabend des Laufes waren die Nummern immer noch nicht eingetroffen, weshalb ich erneut die Teilnahmebedingungen las. Wer lesen kann ist klar im Vorteil: zu dem Zeitpunkt zu dem wir uns angemeldet hatten, hätten wir die Startnummern persönlich abholen müssen.
Auch in Australien rechnet man mit dem dümmsten anzunehmenden Nutzer, so dass wir uns glücklicherweise die Nummern noch am Starttag abholen konnten und uns zwei Minuten vor dem offiziellen Start zu unseren über 1000 Mitläufern gesellten.
Der Start bei einem Massenlauf ist eine gemütliche Angelegenheit. Die ersten Kilometer verbringt damit sich freizulaufen und sich einen Platz im Läuferfeld zu sichern an dem man nicht ständig langsamere Teilnehmer überholen muss oder selber überholt wird.
Der Lauf startete auf der Wellington Parade, führte uns vorbei am Federation Square auf die St. Kilda Road rund um den botanischen Garten. Es ist ein erhebendes Gefühl mit hunderten anderen Spinnern an einem sonnigen Sonntagmorgen auf abgesperrten Straßen zu laufen, die eigentlich die Hauptverkehrsadern durch die Innenstadt sind!
Nachdem wir den botanischen Garten umrundet hatten, führte uns die Strecke zurück auf die St.Kilda Road. Peter war an der Anderson Road, einem Bergauf-Abschnitt extrem nützlich gewesen, da er einen Schritt aufrecht gehalten hatte, den ich vermutlich sonst nie gelaufen wäre. Mittlerweile war der Gute allerdings ziemlich aus der Puste und auch durch meine subtileren Motivationsversuche ("Der Letzte zahlt das Bier...") nicht mehr anzutreiben.
So trennte ich mich, nachdem wir wieder den Yarra überquert hatten, von meinem Trainingsparter und lief meinem Ziel, dem Melbourne Cricket Ground (MCG), entgegen. Die Strecke hatte inzwischen die breiten Straßen verlassen und führte nun über schmale Fußgängerwege. Nicht ideal für den Schlußsprint, aber mit einem gejapsten " 'xcuse me, mate" kam ich immernoch gut voran. Am MCG angekommen stellte sich erstmal Ernüchterung ein. Ich hatte mich total verschätzt.
Zwar wusste ich, dass der Lauf innerhalb des Stadions enden sollte, allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich dazu noch das ganze Gebäude umrunden musste. Aus dem letzten Loch pfeifend folgte ich den anderen Läufern durch die Katakomben des MCG.
Der Moment, an dem man aus dem Dunkel in das sonnendurchflutete Oval des Stadions tritt und sich selber auf der Anzeigetafel sieht, entschädigt für alle Mühen. Flink wie eine Gazelle mit zusammengebundenen Hinterläufen absolvierte ich die letzten Meter bis zum Ziel und genoß meinem sportlichen Erfolg.
Die Zeit (48 Minuten 31 Sekunden) ist ganz in Ordnung, aber noch ausbaufähig. Das offizielle Zielfoto habe ich mir übrigens nicht gekauft. Zum einen war es schlicht zu teuer, zum anderen quäle ich mich mit einem Gesichtsausdruck über die Ziellinie, der Sylverster Stallone in Rocky Ehre gemacht hätte, während eine ziehmlich breite 5km-Walkerin neben mir völlig unbeeindruckt ihre Zeit stoppt. Das Foto wird dem Anlass einfach nicht gerecht.
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