Samstag, 13. Oktober 2007

Wilsons Promontory

Wilsons Promontory ist ein Nationalpark an der südlichsten 0710Wilsons Promontory 107Spitze des australischen Kontinents und der Platz in Victoria an dem man gewesen sein muss um australisches Wildlife zu sehen. Erzählten mir zumindest alle Melbourner. Und wenn ich alle schreibe, meine ich auch wirklich ALLE...

Gemeinsam mit meinen "Internetbekanntschaften" aus dem StudiVZ Stefano, Jörg und Christoph mietete ich ein Auto und machte mich auf die dreistündige Fahrt. Zwar hatte ich mehrfach betont, dass ich mit dem Auto in den Busch wollte - die Autovermietung vertraute mir trotzdem einen funkelnagelneuen Toyota Corola an (Stand des Kilometerzählers: 000 004). Der fuhr sich richtig gut, obwohl ich, als Linksverkehrjungfer, ein Auto mit Automatikgetriebe gewählt hatte.

Der Park liegt auf einer Halbinsel, so dass man erstmal eine Weile fährt, bis man das erste Mal das Meer sieht:

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(Von links nach rechts: Jörg, Stefano, Christoph und das Meer)

Unsere erste Station 0710Wilsons Promontory 011war der "Squeaky Beach", der weißeste Strand Australiens. In unserer Reisegruppe wurden heftigste Debatten über die Herkunft des Sandes geführt. Die eine Theorie nahm als Quelle des Sandes geriebene Korallen an, die andere kalkhaltige  Ausscheidungen des Papageienfisches. Woher er auch kommen mag: der Sand ist so sauber, dass jeder Schritt ein quietschendes Geräusch (englisch: Squeaking) macht. 

Ich hatte zwar keine Badehose dabei, Schwimmen gehen wollte ich trotzdem. Nacktbaden ist in Australien nicht gerade üblich und auch meine Reisebegleiter waren etwas überrascht, die Schwimmbilder findet Ihr im Erwachsenenbereich:

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Danach wanderten wir auf einen Hügel, von dem wir einen fanastischen Blick auf Squeaky Beach und die umliegenden Buchten hatten:

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Um dann einen umwerfenden Sonnenuntergang am Whiskey Beach zu erleben:

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Autofahren nach Sonnenuntergang ist eine etwas anstrengende Angelegenheit, da die meisten Tiere in Australien dämmerungsaktiv sind. Der Weg zum Ausgang des Nationalparks war etwa 50km lang und meine Mitreisenden begannen nach den ersten zehn Kilometern zu nöhlen, da sie den ganzen Tag noch kein wildes Tier gesehen hatten. Also fuhr ich bei der nächsten besten Grasebene links ran und bat die Herren einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Und siehe da: keine zwei Meter von unserem Auto entfernt schaute ein Wallaby ebenso verduzt wie die Menschen aus dem hohen Gras.

Wilson Promontory ist Wombatgebiet. Diese putzigen Gesellen zeichnen sich neben ihrem pummeligen Körperbau durch ihre absolute Faulheit aus.

So ist es nicht ungewöhnlich, dass man durch eine Kurve fährt um direkt dahinter eine Vollbremsung hinzulegen, weil ein Wombat im Schleichgang auf der Straße läuft - im hohen Gras zu gehen wäre viel zu anstrengend. Und vor der möglichen Bedrohung wegzulaufen sowieso.

Da wir uns auf einem Campingplatz direkt an der Parkgrenze eingemietet hatten, aber nicht für Vorräte gesorgt hatten, mussten wir noch in die  nächste Stadt Foster fahren (Ja, da kommt das Bier her). Auf einer Strecke von 70km begegneten uns etwa 10 Wombats. Deswegen fuhr ich langsam (wir brauchten über eine Stunde für eine Strecke), bremste und wartete bis das faule Beuteltier sich von der Straße gemacht hatte. Nach dem Abendessen in der nicht gerade einladenden "Stadt" zeigte sich, dass Australier nicht die gleiche Geduld mit den Wombats hatten. Ungefähr ein halbes Dutzend lag überfahren neben der Straße.

Übrigens sind diese "Roadkills" nach australischer Logik gar nicht so schlimm: wenn eine Tierpopulation muss nach australischer Sicht eine gewisse Größe erreicht haben, um eine solche Menge an Tieren zu überfahren. Irgendwie auch schlüssig...

Am 0710Wilsons Promontory 072 nächsten Morgen verabschiedeten wir uns nach einem vollwertigen Frühstück aus Donuts und Limonade von unserer Cabin und brachen zu unserer Wanderung zum Sealers Cove auf.

Auf dem Weg zum Startpunkt unserer Wanderung haben ich den vermutlich größten Emu der Welt gesehen. Fotos konnte ich leider keine machen, aber glaubt mir: "Emuzillas" Hals beginnt dort, wo mein Kopf anfängt...kein Tier dem man in einem Stück und ohne Grill gegenüberstehen will.

 

Die Wanderung zum Sealers Cove war fantastisch: auf zehn Kilometer durchquerten wir drei völlig unterschiedliche Vegetationsgebiete um an einem atemberaubenden Strand den Mittag zuverbringen.

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Der erste Abschnitt der Strecke ging bergauf durch ein Tal, in dem vor zwei Jahren Waldbrände gewütet hatten. Interessanterweise sind diese Brände Teil des Ökosystems. Eukalyptusbäume überstehen die Feuer angebrannt aber ansonsten unbeschadet, während Konkurrenzpflanzen verbrennen.

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Als wir einen Pass überquert hatten und in einem Tal zu Küste herabstiegen hatte ich das Gefühl im Urwald zu stehen.

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Nach einem kurzen Abstecher in den Sumpf wurden wir mit diesem Strand belohnt:

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Schön wars! Auch wenn ich gewisse Annehmlichkeiten der Zivilisation wie Gewehre und Katzen vermisst habe:

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Sonntag, 7. Oktober 2007

Windows Live Writer

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Jeder der mich kennt weiß, dass ich kein Freund der Microsoft-Maschinerie bin.

Allerdings hat Microsoft mit dem "Windows Live Writer" ein für ihre Verhältnisse sehr ausgereiftes Produkt geschaffen, dass für alle Blogschreiber interessant ist. Bequem den Blog offline mit den Vorzügen eines Textverarbeitungsprogrammes verwalten?

http://www.chip.de/downloads/c1_downloads_21185162.html

Eine Frage des guten Geschmacks...

Vielen Dank an alle, die an der Bart-Umfrage teilgenommen haben und sich nicht für die Option "Papiertüte" entschieden haben. Das Ergebnis der Umfrage ist folgendes:

Von xx Teilnehmer entscheiden sich 19 (70%)Befragte, dass mit der Bart am Besten stehe, 6 (22%)Befragte sehen mich am Liebsten ohne Bart, 2(7%) Befragte ziehen eine Papiertüte meinem Gesicht vor.

Auch denn Bart und Papiertüte pflegeleichter sich und mir morgens mindestens drei Minuten im Bad sparen, beuge ich mich dem Votum. Außerdem ist es auch ganz schön, nach fünf Jahren sein Kinn wiederzusehen...  

Samstag, 6. Oktober 2007

Melbourne Coffee Run (48:31)

070818Melbourne Docklands 028

Seit Peter, mein Chef, erfahren hatte, dass ich ein mehr oder weniger engagierter Jogger bin, war er ganz scharf darauf, mit mir den Melbourne Halbmarathon zu laufen.

Peter ist zwar ein paar Jahre älter, hat aber viel längere Beine als ich. So gleicht sich der Altersunterschied aus und wir geben ein ganz vernünftiges Laufduo ab. Dienstags und Donnerstag nach der Arbeit war Training angesagt...

Die erste Hürde, die wir zu meistern hatten, war die Anmeldung. Es stellte sich heraus, dass sich weder Peter noch ich uns die Mühe gemacht hatten, die Teilnahmebedingungen richtig zu lesen. Als wir uns für den Lauf einschreiben wollten, war die Anmeldefrist schon seit einer Woche abgelaufen. So kam es, dass wir uns statt des Halbmarathons für den "Melbourne Coffee Run" über die Distanz von 10km anmelden.

Wer sich bei dem Namen an Kaffeefahrt erinnert fühlt, dem ergeht es so wie mir. Glücklicherweise konnten wir uns noch für diesen Lauf anmelden. Die nächste Kategorie wäre der "Happy Feet Run" über 5km gewesen.

Während wir uns mental und körperlich auf den Lauf vorbereiteten erwarteten die Zusendung unserer Starternummern. Schließlich ist die Teilnahme an einem sogenannten "Fun Run" eine ernsthafte Angelegenheit, für die man ein Startgeld entrichtet und im Gegenzug eine Startnummer mit Chip erhält, über den sich die genaue Laufzeit stoppen lässt. Am Vorabend des Laufes waren die Nummern immer noch nicht eingetroffen, weshalb ich erneut die Teilnahmebedingungen las. Wer lesen kann ist klar im Vorteil: zu dem Zeitpunkt zu dem wir uns angemeldet hatten, hätten wir die Startnummern persönlich abholen müssen.

Auch in Australien rechnet man mit dem dümmsten anzunehmenden Nutzer, so dass wir uns glücklicherweise die Nummern noch am Starttag abholen konnten und uns zwei Minuten vor dem offiziellen Start zu unseren über 1000 Mitläufern gesellten. 

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Der Start bei einem Massenlauf ist eine gemütliche Angelegenheit. Die ersten Kilometer verbringt damit sich freizulaufen und sich einen Platz im Läuferfeld zu sichern an dem man nicht ständig langsamere Teilnehmer überholen muss oder selber überholt wird.

Der Lauf startete auf der Wellington Parade, führte uns vorbei am Federation Square auf die St. Kilda Road rund um den botanischen Garten. Es ist ein erhebendes Gefühl mit hunderten anderen Spinnern an einem sonnigen Sonntagmorgen auf abgesperrten Straßen zu laufen, die eigentlich die Hauptverkehrsadern durch die Innenstadt sind!

Nachdem wir den botanischen Garten umrundet hatten, führte uns die Strecke zurück auf die St.Kilda Road. Peter war an der Anderson Road, einem Bergauf-Abschnitt extrem nützlich gewesen, da er einen Schritt aufrecht gehalten hatte, den ich vermutlich sonst nie gelaufen wäre. Mittlerweile war der Gute allerdings ziemlich aus der Puste und auch durch meine subtileren Motivationsversuche ("Der Letzte zahlt das Bier...") nicht mehr anzutreiben.

So trennte ich mich, nachdem wir wieder den Yarra überquert hatten, von meinem Trainingsparter und lief meinem Ziel, dem Melbourne Cricket Ground (MCG), entgegen. Die Strecke hatte inzwischen die breiten Straßen verlassen und führte nun über schmale Fußgängerwege. Nicht ideal für den Schlußsprint, aber mit einem gejapsten " 'xcuse me, mate" kam ich immernoch gut voran. Am MCG angekommen stellte sich erstmal Ernüchterung ein. Ich hatte mich total verschätzt.

Zwar wusste ich, dass der Lauf innerhalb des Stadions enden sollte, allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich dazu noch das ganze Gebäude umrunden musste. Aus dem letzten Loch pfeifend folgte ich den anderen Läufern durch die Katakomben des MCG.

Der Moment, an dem man aus dem Dunkel in das sonnendurchflutete Oval des Stadions tritt und sich selber auf der Anzeigetafel sieht, entschädigt für alle Mühen. Flink wie eine Gazelle mit zusammengebundenen Hinterläufen absolvierte ich die letzten Meter bis zum Ziel und genoß meinem sportlichen Erfolg.

Die Zeit (48 Minuten 31 Sekunden) ist ganz in Ordnung, aber noch ausbaufähig. Das offizielle Zielfoto habe ich mir übrigens nicht gekauft. Zum einen war es schlicht zu teuer, zum anderen quäle ich mich mit einem Gesichtsausdruck über die Ziellinie, der Sylverster Stallone in Rocky Ehre gemacht hätte, während eine ziehmlich breite 5km-Walkerin neben mir völlig unbeeindruckt ihre Zeit stoppt. Das Foto wird dem Anlass einfach nicht gerecht.    

Samstag, 22. September 2007

Enthüllung: Der Bart ist ab!!!

Nach einem aufreibenden Treffen mit all den anderen Eierköpfen, die sich mit Hepatitis rumschlagen (was in Melbourne fünf Institute sind), saß ich ganz entspannt im thailändischen Restaurant und unterhielt mich mit dem Honors-Student aus Singapur, der am Burnet-Institut arbeitet.
Irgendwann kam das Gespräch auf Familie und er fragte mich ernsthaft, ob ich meine Ehefrau in Deutschland zurückgelassen hätte um hierher zu kommen!!!



Schock! Langsam kehrte das Blut wieder in Kopf zurück und ich konnte nur mit knapper Not den verständlichen Wunsch unterdrücken meinem Gegenüber die Arme auszureißen um ihm mein tatsächliches Alter einzubleuen.

Irgendwie war es ja auch nicht seine Schuld. Bart macht älter. Aber Ehemann-alt? Nein, ich musste an meinem jugendlichen Aussehen arbeiten.
Seht selbst!

Vorher:

Nachher:




Samstag, 15. September 2007

Dandedongs und noch mehr Kängurus...

Der Mann auf dem Foto ist nicht der heilige Franziskus, auch wenn sein gutes Verhältnis zu Vögeln den Verdacht erregt, sondern Julian, Leiter der Abteilung Viral I.D. am VIDRL. Anläßlich des Besuches zweier vietnamesischer Gastwissenschaftler nahm er uns mit in die Dandedongs, ein Mittelgebirge nahe Melbournes. Dort zeigte er uns, dass in ihm neben dem Wissenschaftler auch eine ganz gehörige Portion Crocodile Dundee steckt...

Erste Station ware eine Raststätte an den "Shepard Falls", an denen sich allerlei Vögel aus der Hand füttern ließen.













Rot oder grün, welcher steht mir besser?

Als nächstes stand ein kleiner Waldspaziergang auf dem Programm, den die vietnamesischen Wissenschaftler eher schlecht als recht überstanden. Die beiden kamen nämlich aus dem Süden Vietnams und trugen zum ersten Mal (!) in ihrem Leben geschlossenes Schuhwerk.
Nach einer kurzen Mittagspause fuhr Julian uns zum Höhepunkt unserer Tour. Direkt am Reservoir, aus dem die Stadt ihr Trinkwasser bezieht, kenne er ein 100% sicheres Känguru-Gebiet.


Dort angekommen sah es nicht sehr nach Kängurus aus. Zu einen war es noch zu früh am Nachmittag, zum anderen war das Gebiet viel zu bewaldet. Ein Tier, das auf freier Fläche mit bis zu 50 km/h springt würde sich doch nicht im Wald aufhalten, oder?
In diesem Punkt irrte ich allerdings, wie mir unserer victorianischer Crocodile Dundee wenig später erklärte. Kängurus fressen zwar auf offener Fläche, schlafen aber, sofern vorhanden, im Bush.


Um die Zeit bis zur Dämmerung zu überbrücken machten wir, zum Leidwesen der Vietnamesen, einen weiteren Spaziergang, auf dem Julian es sich nicht nehmen ließ uns Opossums zu "zeigen". Zum besseren Verständnis muss man sagen, dass Opussum oder Possums, wie der Australier sagt, nachtaktive Tiere sind. Sie schlafen, ähnlich wie Eichhörnchen, in Rundnestern hoch in den Baumkronen.

Um ein Possum tagsüber zu "zeigen", muss man ein Possum "wecken". Meistens tut es ein kräftiger Tritt oder etwas Schütteln gegen bzw. am Baumstamm. Aus der Sicht des Opossum ist das natürlich eine brutale Sache unter Vorspiegelung eines Erdbeben zur besten Schlafenszeit aus dem Bett geholt zu werden nur um Ausländern vorgeführt zu werden.
Allerdings handelt es sich um durchaus vernünftige Tiere, sobald sie sehen, dass keine Gefahr droht und der Kaffee noch nicht fertig ist, verkriechen sie sich wieder ins Nest.


Und siehe da: Julian hatte recht! Kaum waren wir aus dem Wald heraus, stolperten wir direkt in eine Känguruherde, die am Damm des Reservoirs graste. Die Tiere waren so an Menschen gewöhnt, dass sie uns bis zehn Meter heranlassen.
Besonders faszinierend fand ich, dass Kängurus zur langsamen Fortbewegungen eine Art Fünf-Fußgang benutzen: abwechselnd werden die Hinterläufe und die Fäuste zusammen mit dem Schwanz benutzt.






Niedlich, oder? Was man leider nicht mit dem Fotoapparat festhalten kann, ist der Umstand, dass sich die Kängurus in einer Tour am Kratzen und Schubbern waren. Flöhe scheinen auch Beuteltiere nicht zu verschonen.

Daher bin ich ganz froh, dass dieses Foto aus sicherer Entfernung entstanden ist.




Ein sehr australischer Witz...

Der Witz funktioniert nur mit australischen Polizisten. Stellt Euch ja keine deutschen Gesetzeshüter vor!


Hintergrund: Eine Mann hat eine Vermisstenanzeige aufgegeben, da seine Ehefrau seit Tagen nicht mehr zuhause war. Es ist früher Nachmittag, zwei Polizisten klopfen an die Tür des Mannes...


... der Mann öffnet, die beiden Polizisten stellen sich vor, eröffnen, dass sie gute und schlechte Nachrichten hätten und stellen den Mann vor die Wahl welche er denn zuerst hören wolle. Die guten Nachrichten würden sogar etwas überwiegen.
Der Mann entscheidet sich dennnoch für die schlechte Nachricht. "Ihre Frau ist tod.", teilt ihm der ältere Polizist mit. "Sie geriet beim Schnorcheln zwischen zwei Felsen und ertrank."
"Das ist ja sehr bedauerlich", antwortet der Mann, " aber was ist denn die gute Nachricht?". Der ältere Polizist erklärt, dass sich unter Wasser Krebse auf dem Körper seiner Ehefrau angesiedelt hätten. Diese hätten sie abgesammelt und mitgebracht.


Der Mann, immernoch bestürzt, bedankt sich. Er wolle die Krebse anläßlich eines Gedenkessens für seine Frau zubereiten.


Dann fragt er die Polizisten: "Sie sagten doch, die guten Nachrichten würden etwas überwiegen?". "Ja klar", meint der jüngere Polizist, "das Tolle ist, Mick hier und ich haben in zwei Stunden Feierabend. Dann ziehen wir ihre Frau wieder aus dem Wasser und sehen ob noch mehr Krebse angebissen haben!"


Sonntag, 9. September 2007

Tobi and the City


Nicht nur down under kann man sich gut vor seinem Studium drücken und mal ein Forschungssemester einschieben: Mein Freund und Studienkollege Tobias ärgert Zellen am Mount Sinai Medical Center in New York City.




Wenn Ihr eine Pause von Geschichten vom anderen Ende der Welt braucht und stattdessen in zivilisierteren Gefilden stöbert wollt, geht mal auf http://www.tobiandthecity.blogspot.com/.

Freitag, 7. September 2007

Die faulsten Zootiere der Welt....


Das Gerücht von den Killer-Koalas konnte ich nicht aus der Welt schaffen und, wie Ihr vielleicht hier schon gelesen habt, ist mit den Kamelen hier auch nicht gut Kirschen essen. Daher wollte ich meine weiteren Tierbeobachtungen lieber in sicheren Gefilden machen. Und wann fühlt man sich als Mensch sicher? Genau, wenn die Tiere hinter Gittern sind!
Der Melbourner Zoo ist schön: vier Rundwege, die botanisch so gestaltet sind, dass man sich wirklich auf das entsprechende Kontinent versetzt fühlt, präsentieren alles vom Pinguin bis zum Elefanten.
Eigentlich kein großer Unterschied zu deutschen Zoos wie Hagenbeck oder Leipzig sollte man denken - wenn es die Tiere nicht, sehr australisch, etwas lockerer angelassen würden: beinahe jedes Tier, das technisch dazu in der Lage war, lag schlafend in seinem Gehege.




Das Zebra war sicher auch schon mal aktiver...





Klar, als Giraffe sollte man sich vielleicht nicht hinlegen - da sind die Halswirbelsäulenbeschwerden vorprogrammiert...



Sagte ich alle Tiere schlafen?
Interessanterweise waren Koalas, die eigentlich dafür bekannt sich, dass sie bis zu 23 Stunden am Tag schlafen und ansonsten auch ziemlich faul zu sein, die aktivsten Tiere, wie dieses Video belegt.
Woran liegt es? Amphetamine im Koalafutter? Oder bemühen sich Koalas, die einen Job haben mehr als ihre wild lebenden Kollegen?


Montag, 3. September 2007

Queen Victoria Market


Hatte ich schon erwähnt, dass ich im Nahrungsmittelparadies gelandet bin? Gesamt betrachtet sind die Lebenshaltungskosten zwar teurer als in Leipzig, aber Obst, Gemüse und Fleisch, meine Hauptnahrungsmittel (erstere vielleicht weniger...) sind hier spottbillig. Das Kilo Äpfel für umgerechnet 1,80 Euro, Lammfleisch, natürlich aus australischer Bodenhaltung, das Kilo für etwa 9 Euro. Das Ganze wohlgemerkt im Winter!


Ob man Gourmetgenießer ist oder einfach nur günstiges Obst kaufen möchte, der Queen Victoria Market bietet für jeden etwas: auf sechs langen überdachten Gassen bieten Händler saisonales Obst und Gemüse, Kleidung und (natürlich auch) Touristenkram wie "Aborigines-Kunst" (original vom Fließband) und T-Shirts mit "Australia"-Aufdrucken. Auf einem kleinen Organic-Market findet garantiert jeder Öko seinen Gemüsedealer.

Für mich wieder interessanter ist der Meat-Market, wo man Fleisch von fast allen australischen See- und Landbewohnern findet (Krokodil habe ich leider noch nicht gefunden).

An den Meat-Market schließt der Delikatessen-Markt, auf dem es alles gibt, was man in Melbourne sonst schwer findet. Wer Leberkäs und Weißwurst mal als ausländische Spezialität in der Auslage sehen will, hat hier seine Chance!


Die Verpackung mag zwar 100% verdaulich sein und so unsere Umwelt schonen, aber ich kaufe meine Eier doch lieber im Karton!

Sonntag, 2. September 2007

Endlich Kängurus!

Nachdem ich die letzten Wochenenden mit gänzlich Unaustralischem wie Skifahren oder in einer Stadt mit mehr als 100 Einwohnern Rumhängen zugebracht habe, wurde es Zeit mal endlich den Busch zu erkunden. Busch ist für Australier alles, was nicht mehr Stadt ist, aber noch nicht weit genug von der Zivilisation entfernt ist um Outback zu sein. Der Übergang ist fließend.


Das Vehikel meiner Wahl war das Fahrrad von Serge. Serge ist der Ex-Freund meiner Vermieterin Su Lyn, der sie während ihres Spanienurlaubs hatte sitzen lassen und nicht nur sie mit gebrochenem Herzen sondern auch mit seinem Fahrrad zurücklies. Meine Abmachung mit Su Lyn war: wenn ich das Fahrrad repariere, darf ich es benutzen. Klingt eigentlich gut und das meiste konnte ich richten, aber ein mieses Tretlager und eine extrem billige Gangschaltung sind Mängel, die ich nicht beheben kann. Doch auch in Australien gibt es das Sprichwort von den geschenkten Gäulen...


Für meine Tour hatte ich den "Yarra Main-Trail" gewählt, einen Radweg, der dem Fluß Yarra stromaufwärts folgte.


Die Stadt hatte ich in kürzester Zeit hinter mir. Vorbei am Fairfeld Hospital, dem ehemaligen Sitz des VIDRL, das mittlerweile offenbar als Psychiatrie genutzt wird, fuhr ich durch die Vorstädte, deren Namen ich bis jetzt nur von den Pendlerzügen an der Flinders Station kannte. Wobei man sich vom Begriff Vor-stadt nicht fehlleiten lassen sollte: meistens besteht so ein Ort aus einer Hauptstraße mit drei Läden und vielleicht hundert Häusern drumherum. Allerdings scheint jeder dieser Vororte zuätzlich zu den drei Läden auch immer ein Oval (zum Aussie Football Spielen), einen Tennisplatz und Golfplatz zu besitzen.

Nach etwa 20 Kilometern wurde der Abstand zwischen den Orten immer weiter und der Weg führte durch größere Waldstücke. Hin und wieder kam ich an einem Park vorbei, der Anschluss an eine Straße haben musste, da hier mit Klappstühlen und "Esky" (= australisch für Kühlbox) ausgerüstete Familien Picknick machten.


Ich war ziemlich spät gestartet, so dass ich mich nach nur 50 Kilometern angesichts der langsam einsetzenden Dämmerung zur Rückkehr entschied.
Mittlerweile hatte neben meinem Knie auch die Kopfhörer meines MP3-Players den Geist aufgegeben, wobei sich letzteres aber als Glücksfall herausstellte. Denn: tagsüber ist es im Busch still, so dass ich nicht viel unter meinen Kopfhörern verpasst hatte, aber in der Dämmerung singt, kreischt und brüllt jedes Tier, was die Stimmbänder hergeben. Für jemanden der mit dem langweiligen deutschen Nadelwald aufgewachsen ist klang das schon sehr nach Dschungel.
Natürlich hatte ich gelesen, dass Kängurus dämmerungsaktiv sind und achtete daher jetzt ganz besonders auf alles was sich bewegte. Und, siehe da, schon wenige Kilometer nachdem ich mich auf den Rückweg gemacht hatte, sah ich, etwa 500 Meter von mir entfernt, ein Tier in der Sonne räkeln. Vorsichtig, zu einen wollte ich das Tier nicht verscheuchen, zum anderen hatte ich meine Brille nicht auf näherte ich mich, um festzustellen, dass es sich um ein handelsübliches Rindvieh handelt. Buuäh...
Also entäuscht wieder aufs Rad geschwungen, schließlich war ich nicht scharf drauf die Nacht im Busch zu verbringen. Da sprangen anmutig, genau an der Stelle, an der mein Rind lag, drei Kängurus in die Szenerie.
Weder hatten die Känguruhs mit mir, noch ich mit ihnen gerechnet, so dass wir die nächsten Minuten damit verbrachten uns unhöflicherweise anzugaffen. Verständlich, schließlich waren sie meine ersten freispringenden Kängurus und ich vermutlich ihr erster Deutscher. Gegenlicht und die große Entfernung machten das Fotografieren etwas schwierig, so dass der Moment in meiner Erinnerung sicher eindrucksvoller ist als es auf diesem Foto erscheint:
Auf diesem Foto haben sich drei Kängurus versteckt. Kannst Du sie alle finden?
Nach rund zehn Minuten hatten die Kängurus aber die Nasen voll von mir und sprangen von dannen.
Ich stieg wieder auf den Drahtesel und schaffte es noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang zurück in die Stadt (man hört in letzter Zeit viele Geschichten über Killer-Koalas mit roten Augen und scharfen Krallen...)

Sonntag, 26. August 2007

Skifahren

Ja, richtig gelesen!
Viele E-Mails an mich beginnen so: "Wie hältst Du es aus in der Hitze und wie sind die Kängurus so?" Keine Ahnung! Kängurus habe ich immernoch nicht gesehen und es ist WINTER hier! Der Winter in Melbourne ist zwar eher wie ein Herbst in Deutschland, aber Temperaturen sind selten höher als 13°C.


Der Fehler ist aber nicht unüblich und sogar Kaptain Cook dem offiziellen Entdecker Australiens unterlaufen. Laut Manning Clarks "Short History of Australia", die ich gerade lese, war Cook, als er in der Botany Bay landete, begeistert von den angenehmen Temperaturen und der blühenden Vegetation. Er empfahl der britischen Krone das neu entdeckte Land daher als besonders geeignet zur Kolonisierung. Allerdings geschah dies im April 1770. Die Siedler, die im Januar bzw. Februar 1805 eintrafen, machten lange Gesichter als der versprochenen grünen Weiten nur verdorrten Busch vorfanden.

Skifahren ist in Australien in eher unübliches Freizeitvergnügen, doch es gibt drei Skigebiete nördlich von Melbourne. Mount Buller ist das nächstgelegene, was allerdings immernoch eine Fahrt von über drei Stunden bedeutet, so dass ich mich schon um fünf Uhr morgens unausgeschlafen und mit einem bedrohlich niedrigen Koffeinspiegel am Bus anstellte. Organisiert hatte den Trip übrigens Su Lyn, meine Vermieterin, mit dem Betreiber eines weiteren Studentenwohnheimes.
Wie immer, wenn ich an einem von Su Lyns "social events" teilnehme, bin ich der einzige, der nicht von asiatischen Kontinent stammt und, in diesem Fall, auch einer der wenigen die schon einmal Skifahren waren. Mein Sitznachbar im Bus, Ram aus Indien, hatte bis dato noch nie in seinem Leben Schnee gesehen.


Auf der Fahrt bekam ich das erste Mal den Hauch eines Eindrucks, wie riesig dieses Land eigentlich sein muss. Zwischen Melbourne, dem Ort an dem wie eine Pinkelpause einlegten und dem Skigebiet gab es keine einzige Ortschaft. Nur grüne Wiesen, eine Menge Kühe und Schafe und ein paar vereinzelte Häuser. Und das auf einer Tour von über 200 Kilometern.

Über Skifahren zu schreiben ist etwa so wie zu Architektur tanzen, deswegen lasse ich es lieber sein. Das Wetter war großartig, aber der (Kunst-)Schnee etwas merkwürdig: ein wenig so als ob man auf Eiscreme Skifahren würde. Interessanterweise wurde der Schnee im Gegensatz zu normalem Schnee zum Nachmittag eher besser.


Die Skilifts und -hütten haben possierliche Namen wie "Wombat" oder "Tirol", die meisten Pisten sind recht einfach. Da ich wie schon erwähnt etwas mehr Skierfahrung als die Mehrheit hatte, fuhr ich sehr sehr bald alleine und war so auf der Rückfahrt Gesprächsthema No.1 im Bus ("You really did black runs?").
Ein wenig enttäuscht war ich von dem Verhalten der Australier beim Skifahren. Nach Professor Lorcarninis, er ist der Leiter meiner Abteilung im VIDRL, Warnung : "Hans, You're used to the civilized European ways, but remember: there is always one crazy aussie to kill You!" .
Doch statt bretthartem Überlebenskampf hatte ich eine wunderschönen und vermutlich einmaligen Tag. Denn wer geht schon nach Australien um Ski zu fahren?

Samstag, 25. August 2007

Killerkamel

Dieses Kleinod australischer Zeitungsberichterstattung darf ich Euch auf keinen Fall vorenthalten. Es stand bei seiner Veröffentlichung übrigens unter den Top 3 wichtigsten Meldungen des Tages: http://www.theage.com.au/news/national/pet-camel-kills-owner/2007/08/20/1187462123513.html !

Für nicht ganz so Englischfreudige hier die Kurzversion: eine 60-jährige Dame aus Queensland wurde von ihrem Geburtstagsgeschenk zu Tode gedrückt.
Bei dem Geschenk handelt es sich um ein Kamel, welches sein Frauchen zunächst bewusstlos getreten hatte, um sich dann auf sie zu legen. Die Frau erstickte daraufhin.
Offensichtlich hatte sich das Kamel dieses rüde Verhalten bei einer Ziege abgeschaut, die so ihre Konkurrenten unterwarf.

Wer sich jetzt schon wieder Sorgen macht, weil ich auf dem Kontinent mit den sechs giftigsten Landlebewesen lebe, der neuerdings auch mörderische Kamele im Programm hat, der sei beruhigt: das Kamel lebt auf der anderen Seite von Australien und ist außerdem in Gewahrsam.

Donnerstag, 23. August 2007

Don Bruno / Mein Block

Immer wieder fragen mich liebe, besorgte Seelen "Junge, kriegst Du da auch genug zu essen?" oder "Hast Du da überhaupt einen trockenen Platz zum Schlafen?". Im diesem Beitrag möchte ich Eure Zweifel ausräumen und Euch etwas von meiner Gegend erzählen. Ach, und zum Thema Essen: ich habe zwar etwas abgenommen, das liegt aber sicher daran, dass ich hier regelmäßig und vernünftig esse. Darüberhinaus lässt mir die Arbeit genug Zeit mich auszutoben.

Doch nun zu meinem Viertel: ich lebe in North Melbourne, etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Das Herz von North Melbourne schlägt in der Erol Street, einer kleinen, aber geschäftigen Einkaufsstraßen mit zwei Supermärkten, drei Sushi-Läden und etlichen Straßencafés. Für mich als Kaffeejunkie eigentlich perfekt, wenn es da nicht folgendes Problem gäbe: natürlich habe ich schon in der ersten Woche das Café mit dem besten Kaffee ausfindig gemacht. Allerdings liegt es nach Norden. Das einzige südwärts gerichtete Café, in das ich mich Samstag mittag zurückziehen kann um kultiviert mein Buch oder meine Zeitung zu lesen und in der Sonne sitzen kann, liegt direkt gegenüber.
So sitze ich unter einem Heizpilz, lese und genieße die Sonne, während ich genau weiß, dass die Gäste auf der anderen Straßenseite besseren Kaffee als ich haben! Ein schlimmes Dilemma...

Das Viertel dämmerte seit seiner Gründung vor über hundert Jahren vor sich hin, bis die erste Einwanderungswelle aus dem Mittelmeerraum in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts tausende italienische und griechische Migranten anschwemmte. Kaum hatten sie das Schiff verlassen (die Docklands, die ehemaligen Hafenanlagen, sind keinen halbstündigen Fußmarsch entfernt), siedelten sie sich in North Melbourne an und verwandelten die Gegend in ein lebendiges und pulsierendes Gewerbegebiet.
Von dieser Zeit zeugen die Überbleibsel kleiner Handwerksbetriebe, Werkstätten, Lagerhäuser mitten in Wohngebieten oder die große Schule, auf die ich blicke, wenn ich aus dem Fenster schaue.
In den achtziger Jahren ging des mit dem Viertel bergab. Die Einwanderer entdeckten zunehmend ihre Liebe zur Vorstadt, die Schule schloss mangels Schülern, die Immobilienpreise sanken ins Bodenlose und allerlei zwielichtige Gestalten siedelten sich in der Gegend an.
Seit Ende der Neunziger ist es wieder schick in der Stadt zu wohnen und so musste manche Gründerzeit-Häuserzeile neuen durchgestylten Reihenhäusern weichen, die von gutverdienenden Yuppies bewohnt werden.

Woher ich das alles weiß? Wenn Ihr das untenstehende Bild betrachtet, seht Ihr auf der linken Seite das Haus in dem ich wohne. Die beiden rechten Fenster im Obergeschoss gehören zu meinem Zimmer. Die Oberleitung und die Schienen gehören zur Linie 57, die in der Hauptverkehrszeit alles sechs Minuten vorbeirasselt. Für jemanden, der direkt am Goedelerring, dem Nahverkehrsknotenpunkt von Leipzig wohnt, ist das aber vergleichsweise leichte Kost.
Das Cafe Roma direkt nebenan wird schon seit Jahrzehnten von Don Bruno und seinen Leuten betrieben. Die ersten fünf Tagen, in denen ich mir meinen Morgenkaffee auf dem Weg in Labor holte, hielt er es nicht für nötig, auch nur ein einziges Wort mit mir zu wechseln. Am sechsten Tag reichte er mir die Hand über den Tresen und meinte "So, You are becoming a regular. Hi, my name is Bruno.". Seit dem gehöre ich zur "Familia".Was nicht unbedingt bedeutet, dass der Don jetzt öfters mit mir spricht. Doch ab und an wird mir ein kleiner Plausch über die Qualität der Kaffeebohnen oder die Geschichte des Viertel gewährt...