Wilsons Promontory ist ein Nationalpark an der südlichsten Spitze des australischen Kontinents und der Platz in Victoria an dem man gewesen sein muss um australisches Wildlife zu sehen. Erzählten mir zumindest alle Melbourner. Und wenn ich alle schreibe, meine ich auch wirklich ALLE...
Gemeinsam mit meinen "Internetbekanntschaften" aus dem StudiVZ Stefano, Jörg und Christoph mietete ich ein Auto und machte mich auf die dreistündige Fahrt. Zwar hatte ich mehrfach betont, dass ich mit dem Auto in den Busch wollte - die Autovermietung vertraute mir trotzdem einen funkelnagelneuen Toyota Corola an (Stand des Kilometerzählers: 000 004). Der fuhr sich richtig gut, obwohl ich, als Linksverkehrjungfer, ein Auto mit Automatikgetriebe gewählt hatte.
Der Park liegt auf einer Halbinsel, so dass man erstmal eine Weile fährt, bis man das erste Mal das Meer sieht:
(Von links nach rechts: Jörg, Stefano, Christoph und das Meer)
Unsere erste Station war der "Squeaky Beach", der weißeste Strand Australiens. In unserer Reisegruppe wurden heftigste Debatten über die Herkunft des Sandes geführt. Die eine Theorie nahm als Quelle des Sandes geriebene Korallen an, die andere kalkhaltige Ausscheidungen des Papageienfisches. Woher er auch kommen mag: der Sand ist so sauber, dass jeder Schritt ein quietschendes Geräusch (englisch: Squeaking) macht.
Ich hatte zwar keine Badehose dabei, Schwimmen gehen wollte ich trotzdem. Nacktbaden ist in Australien nicht gerade üblich und auch meine Reisebegleiter waren etwas überrascht, die Schwimmbilder findet Ihr im Erwachsenenbereich:
Danach wanderten wir auf einen Hügel, von dem wir einen fanastischen Blick auf Squeaky Beach und die umliegenden Buchten hatten:
Um dann einen umwerfenden Sonnenuntergang am Whiskey Beach zu erleben:
Autofahren nach Sonnenuntergang ist eine etwas anstrengende Angelegenheit, da die meisten Tiere in Australien dämmerungsaktiv sind. Der Weg zum Ausgang des Nationalparks war etwa 50km lang und meine Mitreisenden begannen nach den ersten zehn Kilometern zu nöhlen, da sie den ganzen Tag noch kein wildes Tier gesehen hatten. Also fuhr ich bei der nächsten besten Grasebene links ran und bat die Herren einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Und siehe da: keine zwei Meter von unserem Auto entfernt schaute ein Wallaby ebenso verduzt wie die Menschen aus dem hohen Gras.
Wilson Promontory ist Wombat
gebiet. Diese putzigen Gesellen zeichnen sich neben ihrem pummeligen Körperbau durch ihre absolute Faulheit aus.
So ist es nicht ungewöhnlich, dass man durch eine Kurve fährt um direkt dahinter eine Vollbremsung hinzulegen, weil ein Wombat im Schleichgang auf der Straße läuft - im hohen Gras zu gehen wäre viel zu anstrengend. Und vor der möglichen Bedrohung wegzulaufen sowieso.
Da wir uns auf einem Campingplatz direkt an der Parkgrenze eingemietet hatten, aber nicht für Vorräte gesorgt hatten, mussten wir noch in die nächste Stadt Foster fahren (Ja, da kommt das Bier her). Auf einer Strecke von 70km begegneten uns etwa 10 Wombats. Deswegen fuhr ich langsam (wir brauchten über eine Stunde für eine Strecke), bremste und wartete bis das faule Beuteltier sich von der Straße gemacht hatte. Nach dem Abendessen in der nicht gerade einladenden "Stadt" zeigte sich, dass Australier nicht die gleiche Geduld mit den Wombats hatten. Ungefähr ein halbes Dutzend lag überfahren neben der Straße.
Übrigens sind diese "Roadkills" nach australischer Logik gar nicht so schlimm: wenn eine Tierpopulation muss nach australischer Sicht eine gewisse Größe erreicht haben, um eine solche Menge an Tieren zu überfahren. Irgendwie auch schlüssig...
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns nach einem vollwertigen Frühstück aus Donuts und Limonade von unserer Cabin und brachen zu unserer Wanderung zum Sealers Cove auf.
Auf dem Weg zum Startpunkt unserer Wanderung haben ich den vermutlich größten Emu der Welt gesehen. Fotos konnte ich leider keine machen, aber glaubt mir: "Emuzillas" Hals beginnt dort, wo mein Kopf anfängt...kein Tier dem man in einem Stück und ohne Grill gegenüberstehen will.
Die Wanderung zum Sealers Cove war fantastisch: auf zehn Kilometer durchquerten wir drei völlig unterschiedliche Vegetationsgebiete um an einem atemberaubenden Strand den Mittag zuverbringen.
Der erste Abschnitt der Strecke ging bergauf durch ein Tal, in dem vor zwei Jahren Waldbrände gewütet hatten. Interessanterweise sind diese Brände Teil des Ökosystems. Eukalyptusbäume überstehen die Feuer angebrannt aber ansonsten unbeschadet, während Konkurrenzpflanzen verbrennen.
Als wir einen Pass überquert hatten und in einem Tal zu Küste herabstiegen hatte ich das Gefühl im Urwald zu stehen.
Nach einem kurzen Abstecher in den Sumpf wurden wir mit diesem Strand belohnt:
Schön wars! Auch wenn ich gewisse Annehmlichkeiten der Zivilisation wie Gewehre und Katzen vermisst habe:






















Der Fehler ist aber nicht unüblich und sogar 





Das Cafe Roma direkt nebenan wird schon seit Jahrzehnten von Don Bruno und seinen Leuten betrieben. Die ersten fünf Tagen, in denen ich mir meinen Morgenkaffee auf dem Weg in Labor holte, hielt er es nicht für nötig, auch nur ein einziges Wort mit mir zu wechseln. Am sechsten Tag reichte er mir die Hand über den Tresen und meinte "So, You are becoming a regular. Hi, my name is Bruno.". Seit dem gehöre ich zur "Familia".Was nicht unbedingt bedeutet, dass der Don jetzt öfters mit mir spricht. Doch ab und an wird mir ein kleiner Plausch über die Qualität der Kaffeebohnen oder die Geschichte des Viertel gewährt...