Samstag, 22. September 2007

Enthüllung: Der Bart ist ab!!!

Nach einem aufreibenden Treffen mit all den anderen Eierköpfen, die sich mit Hepatitis rumschlagen (was in Melbourne fünf Institute sind), saß ich ganz entspannt im thailändischen Restaurant und unterhielt mich mit dem Honors-Student aus Singapur, der am Burnet-Institut arbeitet.
Irgendwann kam das Gespräch auf Familie und er fragte mich ernsthaft, ob ich meine Ehefrau in Deutschland zurückgelassen hätte um hierher zu kommen!!!



Schock! Langsam kehrte das Blut wieder in Kopf zurück und ich konnte nur mit knapper Not den verständlichen Wunsch unterdrücken meinem Gegenüber die Arme auszureißen um ihm mein tatsächliches Alter einzubleuen.

Irgendwie war es ja auch nicht seine Schuld. Bart macht älter. Aber Ehemann-alt? Nein, ich musste an meinem jugendlichen Aussehen arbeiten.
Seht selbst!

Vorher:

Nachher:




Samstag, 15. September 2007

Dandedongs und noch mehr Kängurus...

Der Mann auf dem Foto ist nicht der heilige Franziskus, auch wenn sein gutes Verhältnis zu Vögeln den Verdacht erregt, sondern Julian, Leiter der Abteilung Viral I.D. am VIDRL. Anläßlich des Besuches zweier vietnamesischer Gastwissenschaftler nahm er uns mit in die Dandedongs, ein Mittelgebirge nahe Melbournes. Dort zeigte er uns, dass in ihm neben dem Wissenschaftler auch eine ganz gehörige Portion Crocodile Dundee steckt...

Erste Station ware eine Raststätte an den "Shepard Falls", an denen sich allerlei Vögel aus der Hand füttern ließen.













Rot oder grün, welcher steht mir besser?

Als nächstes stand ein kleiner Waldspaziergang auf dem Programm, den die vietnamesischen Wissenschaftler eher schlecht als recht überstanden. Die beiden kamen nämlich aus dem Süden Vietnams und trugen zum ersten Mal (!) in ihrem Leben geschlossenes Schuhwerk.
Nach einer kurzen Mittagspause fuhr Julian uns zum Höhepunkt unserer Tour. Direkt am Reservoir, aus dem die Stadt ihr Trinkwasser bezieht, kenne er ein 100% sicheres Känguru-Gebiet.


Dort angekommen sah es nicht sehr nach Kängurus aus. Zu einen war es noch zu früh am Nachmittag, zum anderen war das Gebiet viel zu bewaldet. Ein Tier, das auf freier Fläche mit bis zu 50 km/h springt würde sich doch nicht im Wald aufhalten, oder?
In diesem Punkt irrte ich allerdings, wie mir unserer victorianischer Crocodile Dundee wenig später erklärte. Kängurus fressen zwar auf offener Fläche, schlafen aber, sofern vorhanden, im Bush.


Um die Zeit bis zur Dämmerung zu überbrücken machten wir, zum Leidwesen der Vietnamesen, einen weiteren Spaziergang, auf dem Julian es sich nicht nehmen ließ uns Opossums zu "zeigen". Zum besseren Verständnis muss man sagen, dass Opussum oder Possums, wie der Australier sagt, nachtaktive Tiere sind. Sie schlafen, ähnlich wie Eichhörnchen, in Rundnestern hoch in den Baumkronen.

Um ein Possum tagsüber zu "zeigen", muss man ein Possum "wecken". Meistens tut es ein kräftiger Tritt oder etwas Schütteln gegen bzw. am Baumstamm. Aus der Sicht des Opossum ist das natürlich eine brutale Sache unter Vorspiegelung eines Erdbeben zur besten Schlafenszeit aus dem Bett geholt zu werden nur um Ausländern vorgeführt zu werden.
Allerdings handelt es sich um durchaus vernünftige Tiere, sobald sie sehen, dass keine Gefahr droht und der Kaffee noch nicht fertig ist, verkriechen sie sich wieder ins Nest.


Und siehe da: Julian hatte recht! Kaum waren wir aus dem Wald heraus, stolperten wir direkt in eine Känguruherde, die am Damm des Reservoirs graste. Die Tiere waren so an Menschen gewöhnt, dass sie uns bis zehn Meter heranlassen.
Besonders faszinierend fand ich, dass Kängurus zur langsamen Fortbewegungen eine Art Fünf-Fußgang benutzen: abwechselnd werden die Hinterläufe und die Fäuste zusammen mit dem Schwanz benutzt.






Niedlich, oder? Was man leider nicht mit dem Fotoapparat festhalten kann, ist der Umstand, dass sich die Kängurus in einer Tour am Kratzen und Schubbern waren. Flöhe scheinen auch Beuteltiere nicht zu verschonen.

Daher bin ich ganz froh, dass dieses Foto aus sicherer Entfernung entstanden ist.




Ein sehr australischer Witz...

Der Witz funktioniert nur mit australischen Polizisten. Stellt Euch ja keine deutschen Gesetzeshüter vor!


Hintergrund: Eine Mann hat eine Vermisstenanzeige aufgegeben, da seine Ehefrau seit Tagen nicht mehr zuhause war. Es ist früher Nachmittag, zwei Polizisten klopfen an die Tür des Mannes...


... der Mann öffnet, die beiden Polizisten stellen sich vor, eröffnen, dass sie gute und schlechte Nachrichten hätten und stellen den Mann vor die Wahl welche er denn zuerst hören wolle. Die guten Nachrichten würden sogar etwas überwiegen.
Der Mann entscheidet sich dennnoch für die schlechte Nachricht. "Ihre Frau ist tod.", teilt ihm der ältere Polizist mit. "Sie geriet beim Schnorcheln zwischen zwei Felsen und ertrank."
"Das ist ja sehr bedauerlich", antwortet der Mann, " aber was ist denn die gute Nachricht?". Der ältere Polizist erklärt, dass sich unter Wasser Krebse auf dem Körper seiner Ehefrau angesiedelt hätten. Diese hätten sie abgesammelt und mitgebracht.


Der Mann, immernoch bestürzt, bedankt sich. Er wolle die Krebse anläßlich eines Gedenkessens für seine Frau zubereiten.


Dann fragt er die Polizisten: "Sie sagten doch, die guten Nachrichten würden etwas überwiegen?". "Ja klar", meint der jüngere Polizist, "das Tolle ist, Mick hier und ich haben in zwei Stunden Feierabend. Dann ziehen wir ihre Frau wieder aus dem Wasser und sehen ob noch mehr Krebse angebissen haben!"


Sonntag, 9. September 2007

Tobi and the City


Nicht nur down under kann man sich gut vor seinem Studium drücken und mal ein Forschungssemester einschieben: Mein Freund und Studienkollege Tobias ärgert Zellen am Mount Sinai Medical Center in New York City.




Wenn Ihr eine Pause von Geschichten vom anderen Ende der Welt braucht und stattdessen in zivilisierteren Gefilden stöbert wollt, geht mal auf http://www.tobiandthecity.blogspot.com/.

Freitag, 7. September 2007

Die faulsten Zootiere der Welt....


Das Gerücht von den Killer-Koalas konnte ich nicht aus der Welt schaffen und, wie Ihr vielleicht hier schon gelesen habt, ist mit den Kamelen hier auch nicht gut Kirschen essen. Daher wollte ich meine weiteren Tierbeobachtungen lieber in sicheren Gefilden machen. Und wann fühlt man sich als Mensch sicher? Genau, wenn die Tiere hinter Gittern sind!
Der Melbourner Zoo ist schön: vier Rundwege, die botanisch so gestaltet sind, dass man sich wirklich auf das entsprechende Kontinent versetzt fühlt, präsentieren alles vom Pinguin bis zum Elefanten.
Eigentlich kein großer Unterschied zu deutschen Zoos wie Hagenbeck oder Leipzig sollte man denken - wenn es die Tiere nicht, sehr australisch, etwas lockerer angelassen würden: beinahe jedes Tier, das technisch dazu in der Lage war, lag schlafend in seinem Gehege.




Das Zebra war sicher auch schon mal aktiver...





Klar, als Giraffe sollte man sich vielleicht nicht hinlegen - da sind die Halswirbelsäulenbeschwerden vorprogrammiert...



Sagte ich alle Tiere schlafen?
Interessanterweise waren Koalas, die eigentlich dafür bekannt sich, dass sie bis zu 23 Stunden am Tag schlafen und ansonsten auch ziemlich faul zu sein, die aktivsten Tiere, wie dieses Video belegt.
Woran liegt es? Amphetamine im Koalafutter? Oder bemühen sich Koalas, die einen Job haben mehr als ihre wild lebenden Kollegen?


Montag, 3. September 2007

Queen Victoria Market


Hatte ich schon erwähnt, dass ich im Nahrungsmittelparadies gelandet bin? Gesamt betrachtet sind die Lebenshaltungskosten zwar teurer als in Leipzig, aber Obst, Gemüse und Fleisch, meine Hauptnahrungsmittel (erstere vielleicht weniger...) sind hier spottbillig. Das Kilo Äpfel für umgerechnet 1,80 Euro, Lammfleisch, natürlich aus australischer Bodenhaltung, das Kilo für etwa 9 Euro. Das Ganze wohlgemerkt im Winter!


Ob man Gourmetgenießer ist oder einfach nur günstiges Obst kaufen möchte, der Queen Victoria Market bietet für jeden etwas: auf sechs langen überdachten Gassen bieten Händler saisonales Obst und Gemüse, Kleidung und (natürlich auch) Touristenkram wie "Aborigines-Kunst" (original vom Fließband) und T-Shirts mit "Australia"-Aufdrucken. Auf einem kleinen Organic-Market findet garantiert jeder Öko seinen Gemüsedealer.

Für mich wieder interessanter ist der Meat-Market, wo man Fleisch von fast allen australischen See- und Landbewohnern findet (Krokodil habe ich leider noch nicht gefunden).

An den Meat-Market schließt der Delikatessen-Markt, auf dem es alles gibt, was man in Melbourne sonst schwer findet. Wer Leberkäs und Weißwurst mal als ausländische Spezialität in der Auslage sehen will, hat hier seine Chance!


Die Verpackung mag zwar 100% verdaulich sein und so unsere Umwelt schonen, aber ich kaufe meine Eier doch lieber im Karton!

Sonntag, 2. September 2007

Endlich Kängurus!

Nachdem ich die letzten Wochenenden mit gänzlich Unaustralischem wie Skifahren oder in einer Stadt mit mehr als 100 Einwohnern Rumhängen zugebracht habe, wurde es Zeit mal endlich den Busch zu erkunden. Busch ist für Australier alles, was nicht mehr Stadt ist, aber noch nicht weit genug von der Zivilisation entfernt ist um Outback zu sein. Der Übergang ist fließend.


Das Vehikel meiner Wahl war das Fahrrad von Serge. Serge ist der Ex-Freund meiner Vermieterin Su Lyn, der sie während ihres Spanienurlaubs hatte sitzen lassen und nicht nur sie mit gebrochenem Herzen sondern auch mit seinem Fahrrad zurücklies. Meine Abmachung mit Su Lyn war: wenn ich das Fahrrad repariere, darf ich es benutzen. Klingt eigentlich gut und das meiste konnte ich richten, aber ein mieses Tretlager und eine extrem billige Gangschaltung sind Mängel, die ich nicht beheben kann. Doch auch in Australien gibt es das Sprichwort von den geschenkten Gäulen...


Für meine Tour hatte ich den "Yarra Main-Trail" gewählt, einen Radweg, der dem Fluß Yarra stromaufwärts folgte.


Die Stadt hatte ich in kürzester Zeit hinter mir. Vorbei am Fairfeld Hospital, dem ehemaligen Sitz des VIDRL, das mittlerweile offenbar als Psychiatrie genutzt wird, fuhr ich durch die Vorstädte, deren Namen ich bis jetzt nur von den Pendlerzügen an der Flinders Station kannte. Wobei man sich vom Begriff Vor-stadt nicht fehlleiten lassen sollte: meistens besteht so ein Ort aus einer Hauptstraße mit drei Läden und vielleicht hundert Häusern drumherum. Allerdings scheint jeder dieser Vororte zuätzlich zu den drei Läden auch immer ein Oval (zum Aussie Football Spielen), einen Tennisplatz und Golfplatz zu besitzen.

Nach etwa 20 Kilometern wurde der Abstand zwischen den Orten immer weiter und der Weg führte durch größere Waldstücke. Hin und wieder kam ich an einem Park vorbei, der Anschluss an eine Straße haben musste, da hier mit Klappstühlen und "Esky" (= australisch für Kühlbox) ausgerüstete Familien Picknick machten.


Ich war ziemlich spät gestartet, so dass ich mich nach nur 50 Kilometern angesichts der langsam einsetzenden Dämmerung zur Rückkehr entschied.
Mittlerweile hatte neben meinem Knie auch die Kopfhörer meines MP3-Players den Geist aufgegeben, wobei sich letzteres aber als Glücksfall herausstellte. Denn: tagsüber ist es im Busch still, so dass ich nicht viel unter meinen Kopfhörern verpasst hatte, aber in der Dämmerung singt, kreischt und brüllt jedes Tier, was die Stimmbänder hergeben. Für jemanden der mit dem langweiligen deutschen Nadelwald aufgewachsen ist klang das schon sehr nach Dschungel.
Natürlich hatte ich gelesen, dass Kängurus dämmerungsaktiv sind und achtete daher jetzt ganz besonders auf alles was sich bewegte. Und, siehe da, schon wenige Kilometer nachdem ich mich auf den Rückweg gemacht hatte, sah ich, etwa 500 Meter von mir entfernt, ein Tier in der Sonne räkeln. Vorsichtig, zu einen wollte ich das Tier nicht verscheuchen, zum anderen hatte ich meine Brille nicht auf näherte ich mich, um festzustellen, dass es sich um ein handelsübliches Rindvieh handelt. Buuäh...
Also entäuscht wieder aufs Rad geschwungen, schließlich war ich nicht scharf drauf die Nacht im Busch zu verbringen. Da sprangen anmutig, genau an der Stelle, an der mein Rind lag, drei Kängurus in die Szenerie.
Weder hatten die Känguruhs mit mir, noch ich mit ihnen gerechnet, so dass wir die nächsten Minuten damit verbrachten uns unhöflicherweise anzugaffen. Verständlich, schließlich waren sie meine ersten freispringenden Kängurus und ich vermutlich ihr erster Deutscher. Gegenlicht und die große Entfernung machten das Fotografieren etwas schwierig, so dass der Moment in meiner Erinnerung sicher eindrucksvoller ist als es auf diesem Foto erscheint:
Auf diesem Foto haben sich drei Kängurus versteckt. Kannst Du sie alle finden?
Nach rund zehn Minuten hatten die Kängurus aber die Nasen voll von mir und sprangen von dannen.
Ich stieg wieder auf den Drahtesel und schaffte es noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang zurück in die Stadt (man hört in letzter Zeit viele Geschichten über Killer-Koalas mit roten Augen und scharfen Krallen...)