Das Vehikel meiner Wahl war das Fahrrad von Serge. Serge ist der Ex-Freund
meiner Vermieterin Su Lyn, der sie während ihres Spanienurlaubs hatte sitzen lassen und nicht nur sie mit gebrochenem Herzen sondern auch mit seinem Fahrrad zurücklies. Meine Abmachung mit Su Lyn war: wenn ich das Fahrrad repariere, darf ich es benutzen. Klingt eigentlich gut und das meiste konnte ich richten, aber ein mieses Tretlager und eine extrem billige Gangschaltung sind Mängel, die ich nicht beheben kann. Doch auch in Australien gibt es das Sprichwort von den geschenkten Gäulen...
meiner Vermieterin Su Lyn, der sie während ihres Spanienurlaubs hatte sitzen lassen und nicht nur sie mit gebrochenem Herzen sondern auch mit seinem Fahrrad zurücklies. Meine Abmachung mit Su Lyn war: wenn ich das Fahrrad repariere, darf ich es benutzen. Klingt eigentlich gut und das meiste konnte ich richten, aber ein mieses Tretlager und eine extrem billige Gangschaltung sind Mängel, die ich nicht beheben kann. Doch auch in Australien gibt es das Sprichwort von den geschenkten Gäulen...Für meine Tour hatte ich den "Yarra Main-Trail" gewählt, einen Radweg, der dem Fluß Yarra stromaufwärts folgte.
Die Stadt hatte ich in kürzester Zeit hinter mir.
Vorbei am Fairfeld Hospital, dem ehemaligen Sitz des VIDRL, das mittlerweile offenbar als Psychiatrie genutzt wird, fuhr ich durch die Vorstädte, deren Namen ich bis jetzt nur von den Pendlerzügen an der Flinders Station kannte. Wobei man sich vom Begriff Vor-stadt nicht fehlleiten lassen sollte: meistens besteht so ein Ort aus einer Hauptstraße mit drei Läden
und vielleicht hundert Häusern drumherum. Allerdings scheint jeder dieser Vororte zuätzlich zu den drei Läden auch immer ein Oval (zum Aussie Football Spielen), einen Tennisplatz und Golfplatz zu besitzen.
Vorbei am Fairfeld Hospital, dem ehemaligen Sitz des VIDRL, das mittlerweile offenbar als Psychiatrie genutzt wird, fuhr ich durch die Vorstädte, deren Namen ich bis jetzt nur von den Pendlerzügen an der Flinders Station kannte. Wobei man sich vom Begriff Vor-stadt nicht fehlleiten lassen sollte: meistens besteht so ein Ort aus einer Hauptstraße mit drei Läden
und vielleicht hundert Häusern drumherum. Allerdings scheint jeder dieser Vororte zuätzlich zu den drei Läden auch immer ein Oval (zum Aussie Football Spielen), einen Tennisplatz und Golfplatz zu besitzen.Nach etwa 20 Kilometern wurde der Abstand zwischen den Orten immer weiter und der Weg führte durch größere Waldstücke. Hin und wieder kam ich an einem Park vorbei, der Anschluss an eine Straße haben musste, da hier mit Klappstühlen und "Esky" (= australisch für Kühlbox) ausgerüstete Familien Picknick machten.
Ich war ziemlich spät gestartet, so dass ich mich nach nur 50 Kilometern angesichts der langsam einsetzenden Dämmerung zur Rückkehr entschied.
Mittlerweile hatte neben meinem Knie auch die Kopfhörer meines MP3-Players den Geist aufgegeben, wobei sich letzteres aber als Glücksfall herausstellte. Denn: tagsüber ist es im Busch still, so dass ich nicht viel unter meinen Kopfhörern verpasst hatte, aber in der Dämmerung singt, kreischt und brüllt jedes Tier, was die Stimmbänder hergeben. Für jemanden der mit dem langweiligen deutschen Nadelwald aufgewachsen ist klang das schon sehr nach Dschungel.
Natürlich hatte ich gelesen, dass Kängurus dämmerungsaktiv sind und achtete daher jetzt ganz besonders auf alles was sich bewegte. Und, siehe da, schon wenige Kilometer nachdem ich mich auf den Rückweg gemacht hatte, sah ich, etwa 500 Meter von mir entfernt, ein Tier in der Sonne räkeln. Vorsichtig, zu einen wollte ich das Tier nicht verscheuchen, zum anderen hatte ich meine Brille nicht auf näherte ich mich, um festzustellen, dass es sich um ein handelsübliches Rindvieh handelt. Buuäh...
Also entäuscht wieder aufs Rad geschwungen, schließlich war ich nicht scharf drauf die Nacht im Busch zu verbringen. Da sprangen anmutig, genau an der Stelle, an der mein Rind lag, drei Kängurus in die Szenerie.
Weder hatten die Känguruhs mit mir, noch ich mit ihnen gerechnet, so dass wir die nächsten Minuten damit verbrachten uns unhöflicherweise anzugaffen. Verständlich, schließlich waren sie meine ersten freispringenden Kängurus und ich vermutlich ihr erster Deutscher. Gegenlicht und die große Entfernung machten das Fotografieren etwas schwierig, so dass der Moment in meiner Erinnerung sicher eindrucksvoller ist als es auf diesem Foto erscheint:

Auf diesem Foto haben sich drei Kängurus versteckt. Kannst Du sie alle finden?
Nach rund zehn Minuten hatten die Kängurus aber die Nasen voll von mir und sprangen von dannen.
Ich stieg wieder auf den Drahtesel und schaffte es noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang zurück in die Stadt (man hört in letzter Zeit viele Geschichten über Killer-Koalas mit roten Augen und scharfen Krallen...)
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