Samstag, 13. Oktober 2007

Wilsons Promontory

Wilsons Promontory ist ein Nationalpark an der südlichsten 0710Wilsons Promontory 107Spitze des australischen Kontinents und der Platz in Victoria an dem man gewesen sein muss um australisches Wildlife zu sehen. Erzählten mir zumindest alle Melbourner. Und wenn ich alle schreibe, meine ich auch wirklich ALLE...

Gemeinsam mit meinen "Internetbekanntschaften" aus dem StudiVZ Stefano, Jörg und Christoph mietete ich ein Auto und machte mich auf die dreistündige Fahrt. Zwar hatte ich mehrfach betont, dass ich mit dem Auto in den Busch wollte - die Autovermietung vertraute mir trotzdem einen funkelnagelneuen Toyota Corola an (Stand des Kilometerzählers: 000 004). Der fuhr sich richtig gut, obwohl ich, als Linksverkehrjungfer, ein Auto mit Automatikgetriebe gewählt hatte.

Der Park liegt auf einer Halbinsel, so dass man erstmal eine Weile fährt, bis man das erste Mal das Meer sieht:

0710Wilsons Promontory 006 

(Von links nach rechts: Jörg, Stefano, Christoph und das Meer)

Unsere erste Station 0710Wilsons Promontory 011war der "Squeaky Beach", der weißeste Strand Australiens. In unserer Reisegruppe wurden heftigste Debatten über die Herkunft des Sandes geführt. Die eine Theorie nahm als Quelle des Sandes geriebene Korallen an, die andere kalkhaltige  Ausscheidungen des Papageienfisches. Woher er auch kommen mag: der Sand ist so sauber, dass jeder Schritt ein quietschendes Geräusch (englisch: Squeaking) macht. 

Ich hatte zwar keine Badehose dabei, Schwimmen gehen wollte ich trotzdem. Nacktbaden ist in Australien nicht gerade üblich und auch meine Reisebegleiter waren etwas überrascht, die Schwimmbilder findet Ihr im Erwachsenenbereich:

0710Wilsons Promontory 027

Danach wanderten wir auf einen Hügel, von dem wir einen fanastischen Blick auf Squeaky Beach und die umliegenden Buchten hatten:

0710Wilsons Promontory 051

Um dann einen umwerfenden Sonnenuntergang am Whiskey Beach zu erleben:

0710Wilsons Promontory 063 

Autofahren nach Sonnenuntergang ist eine etwas anstrengende Angelegenheit, da die meisten Tiere in Australien dämmerungsaktiv sind. Der Weg zum Ausgang des Nationalparks war etwa 50km lang und meine Mitreisenden begannen nach den ersten zehn Kilometern zu nöhlen, da sie den ganzen Tag noch kein wildes Tier gesehen hatten. Also fuhr ich bei der nächsten besten Grasebene links ran und bat die Herren einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Und siehe da: keine zwei Meter von unserem Auto entfernt schaute ein Wallaby ebenso verduzt wie die Menschen aus dem hohen Gras.

Wilson Promontory ist Wombatgebiet. Diese putzigen Gesellen zeichnen sich neben ihrem pummeligen Körperbau durch ihre absolute Faulheit aus.

So ist es nicht ungewöhnlich, dass man durch eine Kurve fährt um direkt dahinter eine Vollbremsung hinzulegen, weil ein Wombat im Schleichgang auf der Straße läuft - im hohen Gras zu gehen wäre viel zu anstrengend. Und vor der möglichen Bedrohung wegzulaufen sowieso.

Da wir uns auf einem Campingplatz direkt an der Parkgrenze eingemietet hatten, aber nicht für Vorräte gesorgt hatten, mussten wir noch in die  nächste Stadt Foster fahren (Ja, da kommt das Bier her). Auf einer Strecke von 70km begegneten uns etwa 10 Wombats. Deswegen fuhr ich langsam (wir brauchten über eine Stunde für eine Strecke), bremste und wartete bis das faule Beuteltier sich von der Straße gemacht hatte. Nach dem Abendessen in der nicht gerade einladenden "Stadt" zeigte sich, dass Australier nicht die gleiche Geduld mit den Wombats hatten. Ungefähr ein halbes Dutzend lag überfahren neben der Straße.

Übrigens sind diese "Roadkills" nach australischer Logik gar nicht so schlimm: wenn eine Tierpopulation muss nach australischer Sicht eine gewisse Größe erreicht haben, um eine solche Menge an Tieren zu überfahren. Irgendwie auch schlüssig...

Am 0710Wilsons Promontory 072 nächsten Morgen verabschiedeten wir uns nach einem vollwertigen Frühstück aus Donuts und Limonade von unserer Cabin und brachen zu unserer Wanderung zum Sealers Cove auf.

Auf dem Weg zum Startpunkt unserer Wanderung haben ich den vermutlich größten Emu der Welt gesehen. Fotos konnte ich leider keine machen, aber glaubt mir: "Emuzillas" Hals beginnt dort, wo mein Kopf anfängt...kein Tier dem man in einem Stück und ohne Grill gegenüberstehen will.

 

Die Wanderung zum Sealers Cove war fantastisch: auf zehn Kilometer durchquerten wir drei völlig unterschiedliche Vegetationsgebiete um an einem atemberaubenden Strand den Mittag zuverbringen.

0710Wilsons Promontory 079     

Der erste Abschnitt der Strecke ging bergauf durch ein Tal, in dem vor zwei Jahren Waldbrände gewütet hatten. Interessanterweise sind diese Brände Teil des Ökosystems. Eukalyptusbäume überstehen die Feuer angebrannt aber ansonsten unbeschadet, während Konkurrenzpflanzen verbrennen.

0710Wilsons Promontory 085

0710Wilsons Promontory 084

Als wir einen Pass überquert hatten und in einem Tal zu Küste herabstiegen hatte ich das Gefühl im Urwald zu stehen.

0710Wilsons Promontory 087

Nach einem kurzen Abstecher in den Sumpf wurden wir mit diesem Strand belohnt:

0710Wilsons Promontory 089

Schön wars! Auch wenn ich gewisse Annehmlichkeiten der Zivilisation wie Gewehre und Katzen vermisst habe:

0710Wilsons Promontory 091

Sonntag, 7. Oktober 2007

Windows Live Writer

image

Jeder der mich kennt weiß, dass ich kein Freund der Microsoft-Maschinerie bin.

Allerdings hat Microsoft mit dem "Windows Live Writer" ein für ihre Verhältnisse sehr ausgereiftes Produkt geschaffen, dass für alle Blogschreiber interessant ist. Bequem den Blog offline mit den Vorzügen eines Textverarbeitungsprogrammes verwalten?

http://www.chip.de/downloads/c1_downloads_21185162.html

Eine Frage des guten Geschmacks...

Vielen Dank an alle, die an der Bart-Umfrage teilgenommen haben und sich nicht für die Option "Papiertüte" entschieden haben. Das Ergebnis der Umfrage ist folgendes:

Von xx Teilnehmer entscheiden sich 19 (70%)Befragte, dass mit der Bart am Besten stehe, 6 (22%)Befragte sehen mich am Liebsten ohne Bart, 2(7%) Befragte ziehen eine Papiertüte meinem Gesicht vor.

Auch denn Bart und Papiertüte pflegeleichter sich und mir morgens mindestens drei Minuten im Bad sparen, beuge ich mich dem Votum. Außerdem ist es auch ganz schön, nach fünf Jahren sein Kinn wiederzusehen...  

Samstag, 6. Oktober 2007

Melbourne Coffee Run (48:31)

070818Melbourne Docklands 028

Seit Peter, mein Chef, erfahren hatte, dass ich ein mehr oder weniger engagierter Jogger bin, war er ganz scharf darauf, mit mir den Melbourne Halbmarathon zu laufen.

Peter ist zwar ein paar Jahre älter, hat aber viel längere Beine als ich. So gleicht sich der Altersunterschied aus und wir geben ein ganz vernünftiges Laufduo ab. Dienstags und Donnerstag nach der Arbeit war Training angesagt...

Die erste Hürde, die wir zu meistern hatten, war die Anmeldung. Es stellte sich heraus, dass sich weder Peter noch ich uns die Mühe gemacht hatten, die Teilnahmebedingungen richtig zu lesen. Als wir uns für den Lauf einschreiben wollten, war die Anmeldefrist schon seit einer Woche abgelaufen. So kam es, dass wir uns statt des Halbmarathons für den "Melbourne Coffee Run" über die Distanz von 10km anmelden.

Wer sich bei dem Namen an Kaffeefahrt erinnert fühlt, dem ergeht es so wie mir. Glücklicherweise konnten wir uns noch für diesen Lauf anmelden. Die nächste Kategorie wäre der "Happy Feet Run" über 5km gewesen.

Während wir uns mental und körperlich auf den Lauf vorbereiteten erwarteten die Zusendung unserer Starternummern. Schließlich ist die Teilnahme an einem sogenannten "Fun Run" eine ernsthafte Angelegenheit, für die man ein Startgeld entrichtet und im Gegenzug eine Startnummer mit Chip erhält, über den sich die genaue Laufzeit stoppen lässt. Am Vorabend des Laufes waren die Nummern immer noch nicht eingetroffen, weshalb ich erneut die Teilnahmebedingungen las. Wer lesen kann ist klar im Vorteil: zu dem Zeitpunkt zu dem wir uns angemeldet hatten, hätten wir die Startnummern persönlich abholen müssen.

Auch in Australien rechnet man mit dem dümmsten anzunehmenden Nutzer, so dass wir uns glücklicherweise die Nummern noch am Starttag abholen konnten und uns zwei Minuten vor dem offiziellen Start zu unseren über 1000 Mitläufern gesellten. 

Map image

Der Start bei einem Massenlauf ist eine gemütliche Angelegenheit. Die ersten Kilometer verbringt damit sich freizulaufen und sich einen Platz im Läuferfeld zu sichern an dem man nicht ständig langsamere Teilnehmer überholen muss oder selber überholt wird.

Der Lauf startete auf der Wellington Parade, führte uns vorbei am Federation Square auf die St. Kilda Road rund um den botanischen Garten. Es ist ein erhebendes Gefühl mit hunderten anderen Spinnern an einem sonnigen Sonntagmorgen auf abgesperrten Straßen zu laufen, die eigentlich die Hauptverkehrsadern durch die Innenstadt sind!

Nachdem wir den botanischen Garten umrundet hatten, führte uns die Strecke zurück auf die St.Kilda Road. Peter war an der Anderson Road, einem Bergauf-Abschnitt extrem nützlich gewesen, da er einen Schritt aufrecht gehalten hatte, den ich vermutlich sonst nie gelaufen wäre. Mittlerweile war der Gute allerdings ziemlich aus der Puste und auch durch meine subtileren Motivationsversuche ("Der Letzte zahlt das Bier...") nicht mehr anzutreiben.

So trennte ich mich, nachdem wir wieder den Yarra überquert hatten, von meinem Trainingsparter und lief meinem Ziel, dem Melbourne Cricket Ground (MCG), entgegen. Die Strecke hatte inzwischen die breiten Straßen verlassen und führte nun über schmale Fußgängerwege. Nicht ideal für den Schlußsprint, aber mit einem gejapsten " 'xcuse me, mate" kam ich immernoch gut voran. Am MCG angekommen stellte sich erstmal Ernüchterung ein. Ich hatte mich total verschätzt.

Zwar wusste ich, dass der Lauf innerhalb des Stadions enden sollte, allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich dazu noch das ganze Gebäude umrunden musste. Aus dem letzten Loch pfeifend folgte ich den anderen Läufern durch die Katakomben des MCG.

Der Moment, an dem man aus dem Dunkel in das sonnendurchflutete Oval des Stadions tritt und sich selber auf der Anzeigetafel sieht, entschädigt für alle Mühen. Flink wie eine Gazelle mit zusammengebundenen Hinterläufen absolvierte ich die letzten Meter bis zum Ziel und genoß meinem sportlichen Erfolg.

Die Zeit (48 Minuten 31 Sekunden) ist ganz in Ordnung, aber noch ausbaufähig. Das offizielle Zielfoto habe ich mir übrigens nicht gekauft. Zum einen war es schlicht zu teuer, zum anderen quäle ich mich mit einem Gesichtsausdruck über die Ziellinie, der Sylverster Stallone in Rocky Ehre gemacht hätte, während eine ziehmlich breite 5km-Walkerin neben mir völlig unbeeindruckt ihre Zeit stoppt. Das Foto wird dem Anlass einfach nicht gerecht.    

Samstag, 22. September 2007

Enthüllung: Der Bart ist ab!!!

Nach einem aufreibenden Treffen mit all den anderen Eierköpfen, die sich mit Hepatitis rumschlagen (was in Melbourne fünf Institute sind), saß ich ganz entspannt im thailändischen Restaurant und unterhielt mich mit dem Honors-Student aus Singapur, der am Burnet-Institut arbeitet.
Irgendwann kam das Gespräch auf Familie und er fragte mich ernsthaft, ob ich meine Ehefrau in Deutschland zurückgelassen hätte um hierher zu kommen!!!



Schock! Langsam kehrte das Blut wieder in Kopf zurück und ich konnte nur mit knapper Not den verständlichen Wunsch unterdrücken meinem Gegenüber die Arme auszureißen um ihm mein tatsächliches Alter einzubleuen.

Irgendwie war es ja auch nicht seine Schuld. Bart macht älter. Aber Ehemann-alt? Nein, ich musste an meinem jugendlichen Aussehen arbeiten.
Seht selbst!

Vorher:

Nachher:




Samstag, 15. September 2007

Dandedongs und noch mehr Kängurus...

Der Mann auf dem Foto ist nicht der heilige Franziskus, auch wenn sein gutes Verhältnis zu Vögeln den Verdacht erregt, sondern Julian, Leiter der Abteilung Viral I.D. am VIDRL. Anläßlich des Besuches zweier vietnamesischer Gastwissenschaftler nahm er uns mit in die Dandedongs, ein Mittelgebirge nahe Melbournes. Dort zeigte er uns, dass in ihm neben dem Wissenschaftler auch eine ganz gehörige Portion Crocodile Dundee steckt...

Erste Station ware eine Raststätte an den "Shepard Falls", an denen sich allerlei Vögel aus der Hand füttern ließen.













Rot oder grün, welcher steht mir besser?

Als nächstes stand ein kleiner Waldspaziergang auf dem Programm, den die vietnamesischen Wissenschaftler eher schlecht als recht überstanden. Die beiden kamen nämlich aus dem Süden Vietnams und trugen zum ersten Mal (!) in ihrem Leben geschlossenes Schuhwerk.
Nach einer kurzen Mittagspause fuhr Julian uns zum Höhepunkt unserer Tour. Direkt am Reservoir, aus dem die Stadt ihr Trinkwasser bezieht, kenne er ein 100% sicheres Känguru-Gebiet.


Dort angekommen sah es nicht sehr nach Kängurus aus. Zu einen war es noch zu früh am Nachmittag, zum anderen war das Gebiet viel zu bewaldet. Ein Tier, das auf freier Fläche mit bis zu 50 km/h springt würde sich doch nicht im Wald aufhalten, oder?
In diesem Punkt irrte ich allerdings, wie mir unserer victorianischer Crocodile Dundee wenig später erklärte. Kängurus fressen zwar auf offener Fläche, schlafen aber, sofern vorhanden, im Bush.


Um die Zeit bis zur Dämmerung zu überbrücken machten wir, zum Leidwesen der Vietnamesen, einen weiteren Spaziergang, auf dem Julian es sich nicht nehmen ließ uns Opossums zu "zeigen". Zum besseren Verständnis muss man sagen, dass Opussum oder Possums, wie der Australier sagt, nachtaktive Tiere sind. Sie schlafen, ähnlich wie Eichhörnchen, in Rundnestern hoch in den Baumkronen.

Um ein Possum tagsüber zu "zeigen", muss man ein Possum "wecken". Meistens tut es ein kräftiger Tritt oder etwas Schütteln gegen bzw. am Baumstamm. Aus der Sicht des Opossum ist das natürlich eine brutale Sache unter Vorspiegelung eines Erdbeben zur besten Schlafenszeit aus dem Bett geholt zu werden nur um Ausländern vorgeführt zu werden.
Allerdings handelt es sich um durchaus vernünftige Tiere, sobald sie sehen, dass keine Gefahr droht und der Kaffee noch nicht fertig ist, verkriechen sie sich wieder ins Nest.


Und siehe da: Julian hatte recht! Kaum waren wir aus dem Wald heraus, stolperten wir direkt in eine Känguruherde, die am Damm des Reservoirs graste. Die Tiere waren so an Menschen gewöhnt, dass sie uns bis zehn Meter heranlassen.
Besonders faszinierend fand ich, dass Kängurus zur langsamen Fortbewegungen eine Art Fünf-Fußgang benutzen: abwechselnd werden die Hinterläufe und die Fäuste zusammen mit dem Schwanz benutzt.






Niedlich, oder? Was man leider nicht mit dem Fotoapparat festhalten kann, ist der Umstand, dass sich die Kängurus in einer Tour am Kratzen und Schubbern waren. Flöhe scheinen auch Beuteltiere nicht zu verschonen.

Daher bin ich ganz froh, dass dieses Foto aus sicherer Entfernung entstanden ist.