Samstag, 28. Juli 2007

Mein erstes Wochenende in Down Under

Ja, ich habe hier wirklich ein Wochenende. Das erste seit Jahren an dem ich kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich eigentlichen Lernen oder im Labor sein sollte!

Das Jetlag beutelt mich doch sehr, so dass ich umso stolzer war, als ich am Samstag ohne Hilfe um 10:00 aufwachte. Ich gammelte noch zehn Minuten im Bett um mich dann auf dem Weg zum Queen Victoria Market zu machen. Als ich George, meinen Mitbewohner, von meinem Vorhaben erzählte, schaute er mich nur komisch an und fragte mich, was ich dort wolle. Der Markt schließe doch gleich. Ob er mich verarschen wollte fragte ich ihn nicht. Zum einen, weil ich es mir nicht gleich mit meiner neuen Hausgemeinschaft verderben wollte, zum anderen, weil mir in dem Moment schlicht das Vokabular fehlte. Stattdessen prüfte ich noch einmal meine Uhr und stellte fest, dass ich sie falsch herum abgelesen hatte: statt zehn Stunden hatte ich sechzehn geschlafen. Es war 15:30.

Ich entschloss mich trotzdem in die Innenstadt zu laufen. Schließlich sind 20kg Gepäck, das ist das Limit bei Thai-Air, nicht viel für ein halbes Jahr und mir fehlte es an essentiellen Dingen, wie z.B. einem zweiten Handtuch. Die Stadt war zwar voll, aber das Einkaufen machte trotzdem Spaß. Viele kleine Läden mit freundlicher Bedienung ("How was Your day, man?") und ich konnte in der kurzen Zeit die mir bis 18:00 blieb noch einiges Erledigen.

Nach all dem Shoppingstress wollte ich mir noch in dem Pub am Federationsquare, in dem ich am Donnerstag mit Peter war, ein Bierchen gönnen. Auf der Elizabeth Street fiel mir die Kirche auf, die im Vergleich zu all den Hochhäusern, winzig wirkte. "Catholic services: saturday 6:00". Naja, dachte ich, was Du samstag kannst besorgen - so kam ich zu meinem ersten komplett englischsprachigen Gottesdienst. Bei den meisten Sachen kam ich ohne Probleme mit, allerdings murmeln die Australier beim Beten wie alle anderen auch, so daß Gott noch eine Weile damit klarkommen muss, daß ihn jemand aus Australien auf Deutsch vollnervt.

Meine Bitte um gutes Bier wurde jedenfalls erhört, denn als ich so am Federation Square mein Krusovice muffelte (ja, das ist ein tschechisches Bier, aber ich musste meine Geschmacksnerven mal nullen) viel mir das hell erleuchtete Stadion ein Stück den Yarra aufwärts auf. Yarra aufwärts muss eigentlich Yarra abwärts heißen, der Fluß fließt nämlich verkehrt herum. Hepatitis A kann man sich in seinem Wasser auch holen!
Zurück zum Stadion. Es war nur etwa anderthalb Kilometer entfernt und ich konnte nicht widerstehen. Hin zum Ticketschalter, den Verkäufer erstmal gefragt, was überhaupt gerade stattfindet und schon saß ich bei meinem ersten Aussie rule Footballspiel!

Aussie Football ist ein Sport, dem ich definitiv mal ein Kapitel widmen muss. Was ich bis jetzt verstanden habe: es gibt mindestens fünf unterschiedliche Parteien auf dem ovalen Feld. Zwei davon rennen dem Ball hinterher und sind definitiv in der Überzahl. Eine Partei bringt den Spieler Wasser und was die beiden neonfarbenen Gruppen machen, weiß ich auch nicht. Einige Tore bringen nur einen Punkt, andere sechs, aber welche das genau sind???
Ich ließ die Regelkunde Regelkunde sein und genoss die Atmosphäre. Die ist nämlich mit der Stadionstimmung beim deutschen Fußball zu vergleichen: es wird geflucht und geschrien, dass sich die Balken biegen, aber die Pausen werden für gepflegte Konversation genutzt. Mein Hintermann hätte seinem Vokabular und seiner Lautstärke nach ein 130kg schwerer Hooligan mit tätowierten Unterarmen sein müssen. Als ich mich in einer Unterbrechung mal vorsichtig umdrehte stellte ich fest, dass es um einen zwar beleibten, aber völlig ungefährlichen Rentner handelte.
Die Sicherheitstandards sind - was für Sicherheitsstandards? Meine große Umhängetasche wurde am Einlass nicht kontrolliert. Die Fans beider Mannschaften sitzen zusammen in den gleichen Blocks und fluchen abwechselnd über die gegnerische Mannschaft oder gemeinsam über den Schiedsrichter. Polizisten habe ich auch nur einmal gesehen.

Die Stimmung ist sehr freundlich (es sei denn Du bist der Unparteiische). Wenn Du von Deinem Sitz aufstehen muss, um jemanden durchzulassen kommt prompt " 'xcuse me, chap". Rempeleien am Auslass nach dem Spiel gab es auch nicht.

Am Sonntag holte ich meinen Einkauf auf dem Queen Victoria Market nach. Dem Markt muss ich auch mal ein Kapitel widmen. Kurz gesagt: man kriegt dort alles und vor allem Obst ist dort auch im australischen Winter spottbillig. Den Nachmittag verbrachte ich in der Victorian National Art Gallery, die Ausstellung "Guggenheim Collection 1940 - now" ansehen. Zwar hatte ich bis kurz vor meiner Abreise in Frankfurt geglaubt, ich könne nichts mit bildender Kunst anfangen, doch nachdem mit Philips Städelführung eines Besseren belehrt hatte, war ich bereit für diese Ausstellung.
Ich fand es sehr nett, denn obwohl es recht voll war, klebten die meisten Leute an den Beschreibungen statt sich die Bilder anzusehen, so daß ich die Ausstellung in Ruhe geniessen konnte. (Falls Ihr mal zuviel Geld habt: Jackson Pollocks "Two" gefiel mir sehr gut!)
Den Rest des Tages kämpfte ich mit meinem Computer. W32/parite, das Virus was ich längst besiegt geglaubt, ist wieder da! Leider hat es sich in den Explorer eingenistet und ich kann die Datei nicht bereinigen lassen: muss also die Festplatte formatieren...
(Womit ich jetzt eigentlich schreibe, wenn der Computer verseucht ist? Tja, liebe Gemeinde, ich bin Euch um nicht nur um 8 Stunden voraus...)

Donnerstag, 26. Juli 2007

An Evening with Hans (hoch zwei)

Dank pharmakologischer Hilfe schlief ich am nächsten Morgen aus und wurde am Mittag von Peter abgeholt.
Erster Punkt war Sushi-Essen auf der Erol-Street, einer kleinen Einkaufsstraße nur zwei Blocks von mir entfernt. Das Stäbchenessen blieb mir erspart (dazu kommen wir später noch einmal), denn das australische Sushi hat die Höhe meiner aufgestellten Faust, etwa den gleichen Durchmesser und ist total lecker!
Als Nächstes stand Besichtigung des VIDRLs auf unserem Programm. Direkt gegenüber des Royal Melbourne Hospital gelegen steht das alte Fabrikgebäude, in dem das Institut untergebracht ist und DIE HABEN ALLES DA! Top ausgestattete Labors der Sicherheitsstufen 2+3, in denen ich arbeiten werde, ein Labor der Stufe 4 (ja, wie im Film "Outbreak"). Dieses Labor ist auch der Grund, warum ich keine Fotos machen wollte: das VIDRL ist nicht nur Referenzlabor für Grippe und Tuberkulose, sondern auch das Zentrum für Bioterrorismus - Fotos währen sicher unangebracht gewesen. Auf mich wartete ein Schreibtisch, ein Computer: einfach alles da.
Ich wurde jedermann vorgestellt, verlor aber schnell den Überblick. So viele neue Gesichter... aber alle sehr nett!

Nach einer kurzen Verschnaufpause in meinem neuen Zuhause, das nur fünf Minuten vom Labor entfernt ist, holte ich Peter vom VIDRL ab und wir gingen gemeinsam in die Stadt. Für den Abend war nämlich ein grosses Diner geplant: Prof. Hans Tillmann, mein Doktorvater und Initiatior meines Aufenthaltes hier, hatte nämlich an einer Konferenz in Sydney teilgenommen und unternahm gemeinsam mit Barbara, seiner Ehefrau, einen kleinen 800Kilometer-"Ausflug" um mich in meiner Wahlheimat für die kommenden sieben Monate zu begrüßen.

Peter und ich waren etwas zeitiger aufgebrochen um noch einen kurzen Rundgang durch die Innenstadt zu machen. Der CBD (Central Business District) ist keine zwanzig Gehminuten vom VIDRL entfernt. Die Architektur ist sehr modern: viel Glas, viel Stahl, Hochhäuser - doch ab und zu ein Haus was aus der Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts stammen mag. Wir waren sogar so früh, dass es noch für ein Bierchen am Federation Square reichte. Ich hab mir ein Lager aufschwätzen lassen. Nicht schlecht, aber auch nicht das beste Bier was ich getrunken habe. Apropos Bier: hier wird nicht nur Fosters getrunken. Nach der allgemeinen Meinung ist es sogar das schlechteste Bier, dass in Australien produziert wird.
Warum dann ausgerechnet dieses Bier importiert wird, konnte mir jedoch keiner plausibel machen. Vielleicht zur Abschreckung?

Diner hatten wir im "Gingerboy" (http://www.gingerboy.com.au/) einem total angesagten Thai-China-Restaurant in Chinatown. Neben Hans, Barbara, Peter und mir nahmen noch Lily und Anna aus meiner neuen Arbeitsgruppe und Guy, Annas Ehemann, an dem Essen teil. Letzterer war übrigens der einzige am Tisch, der sein Geld mit ehrlicher Arbeit (als Architekt), verdient.
Das Essen war klasse. Wir hatten uns für ein Menü entschieden, bei dem der Koch bestimmte, was uns serviert wurde. So wurden uns nach und nach allerlei Leckerei angeboten, die ich zu einem guten Teil noch nie gekostet hatte, wie z.B. Jakobsmuscheln.
Peinlicherweise war ich der einzige am Tisch, der nicht mit Stäbchen essen konnte. Zwar hatte ich das erst zu Pfingsten in Berlin in mühsamer Kleinarbeit beigepuhlt bekommen und so einen Abend im Sushi-Restaurant ohne Zwischenfälle überstanden, doch das Bewegungszentrum meines Gehirns hatte sich anscheinend den Abend freigenommen. Naja, dank all der Chinarestaurants hier werde ich sicher ausreichend Übungsmöglichkeiten haben. Wer auch immer mich besuchen kommt: packt die große Brieftasche ein und führt mich ins Gingerboy aus! Bis dahin kann ich auch mit Stäbchen essen.


Nach einem tollen Abend musste ich nur noch von Hans Abschied nehmen, den ich voraussichtlich für eine Weile nicht sehen werde, da er nach USA umsiedelt. Als wir uns verabschiedeten wünschte er mir alles Gute und gab er mir nicht nur eine Dankeschön-Karte für sein Hochzeitsgeschenk, sondern schenkte mir auch Süßigkeiten (nicht dass ich momentan so aussehe, als ob etwas mehr auf den Rippen vertragen könnte).
Wer Hans kennt, wird sich, wie ich, über dieses Verhalten wundern - normalerweise geht der Fluss der Süßigkeiten nämlich zu Hans hin und nicht von ihm weg...

Mittwoch, 25. Juli 2007

"Hans Damerow, Wilkomen"

Der zweite Flug war erheblich angenehmer. Nachdem ich in der Nacht zweimal aufgestanden und ins Bad gerast war - in der Annahme ich müsse dringend zum Flughafen (das erste Mal war um 23:00, und ich war erst um 22:00 ins Bett gegangen...), liess ich mich von einem der anscheinend immer vor dem Hostel bereit stehenden Taxis zum Flughafen bringen. Offensichtlich wollte der Fahrer Maut sparen, denn statt des Expressways fuhren wir lange und mit halsbrecherischem Tempo durch die Stadt. Allerdings, bedenkt man, dass in dieser Stadt über 6 Millionen Menschen leben, wundert man sich, wenn man um 05:00 unterwegs ist: die Straßen sind wie ausgestorben, ab und an ein Tuk-Tuk oder eine Fahrrad getriebene Garküche, aber die Fenster sind dunkel und die Bürgersteige hochgeklappt.
Sicherheit wird auch am Bangkok Airport Airport großgeschrieben. In Gegensatz zu Frankfurt und Frankfurt/ Hahn (weiter reichen meine Globetrottererfahrungen leider nicht) fühlt man sich hier aber nicht wie der Insasse eines Hochsicherheitsgefängnisses. Die Sicherheitsbeamten sind höflich und zurückhaltend, kennen die Worte bitte und danke - sehr angenehm insgesamt.

Der Flug, ebenfalls sehr angenehm, war entspannt. Das Entertainmentprogramm war endlich wie auf der Website der Airline versprochen (Bildschirme in den Sitzen und vorallem eine Riesenauswahl an Musik!). Kein fetter Kerl, weder zu meiner Rechten noch zu meiner Linken, aber Ihr wisst ja: Ausnahmen bestätigen die Regel!
So kam ich gutgelaunt und entspannt am Melbourner Flughafen an. Die Entspannung wich jedoch bald einer gewissen Anspannung, denn die australischen Grenzkontrollen sind äußerst gründlich. Ich wurde von mehren Hunden beschnüffelt (dem Spürhund für Lebensmittel, dem für Drogen...) und musste meine Rucksack röntgen lassen. Nun stellt sich natürlich die Frage: der Hans ist doch ein gesetzestreuer Bürger? Warum fürchtet er sich so vor dem Zoll? Die Antwort lautet: ich hatte meinem Halbjahresvorrat an Betablockern dabei! Und wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt sind größere Mengen Pillen + Ankunft aus Südostasien = äußerst verdächtige Kombination. Meine Sorgen waren gottseidank unbegründet. Der süße Beagle von der Lebensmittelkontrolle bestand zwar darauf eine Nase von meinem Handgepäck zu nehmen, hatte aber nichts zu melden.
Als ich den Ankunftsbereich verließ fand ich leicht versteckt hinter einer Säule einen verknautscht aussehenden großen blonden Mann mittleren Alters, der einen zerknitterten Zettel hochhielt auf dem "Hans Damerow, Wilkomen". Ich hatte Peter Revill, meinen Supervisor, und den Mann, der mein Auslandssemester organisiert hat, gefunden!

Gemeinsam fuhren wir in die Stadt, Peter gab mir vom Taxi aus eine kurze Führung durch das Viertel in dem ich wohne und in dem sich auch das Institut befindet. Viel konnte man nicht sehen - schließlich war es mitten in der Nacht. Die Uhrzeit mag vielleicht auch Grund warum mein neuer Mitbewohner George etwas merkwürdig guckte, als ich verkündete jetzt noch Joggen zu wollen.
Egal, ich drehte noch eine Runde durch das Viertel und mit pharmakologischer Hilfe, schließlich war ich komplett aus dem Zeitrahmen, schlief ich in meinem neuen Zuhause ein.

Dienstag, 24. Juli 2007

Bangkok or Bust!!!

Eigentlich hätte ich gerne "one night in bangkok" als Überschrift genommen, aber das erschien mir zu ausgelutscht. Der aktuelle Titel trifft es aber auch: in Bangkok muss man gewesen sein. Klar ist dort chaotisch, schwül und wenn Ihr in den Flieger steigt, werdet Ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den 95% der Männer gezählt, die Ihre neue Ehefrau abholen wollen (Gibt es die bei Selbstabholung eigentlich billiger? Und was ist wenn man sie selber zusammenbaut?). Trotz allem: Bangkok ist eine Reise wert!

Nachdem ich total übernächtigt aus dem, verzeiht den Ausdruck, Bumsbomber gestiegen war und Pass- und Gepäckkontrolle hinter mich gebracht hatte, prallte ich beim Verlassen des Flughafengebäudes gegen eine massive Wand aus Bangkoker Luft: heiß, feucht (Luftfeuchtigkeit etwa 60%) und soviel Feinstaub, dass ich trotz Sonnenschein keine Sonnenbrille brauchte.
Mein Taxifahrer, Mr. Amnual, brachte mich in die Khaosan Road, wo ich mein Hostel gebucht hatte. Da ich kein Thai und er weder Deutsch noch Englich sprach, beschränkte sich unsere Konversation beschränkte sich auf "Sun is shining!" und "Heavy!" (mein Rucksack). Wirklich bemerkenswert an Mr. Amnual war die buddhagleiche Ruhe, mit der er uns durch den choatischen Bangkoker Verkehr steuerte. Sogar zum Sonnenbrille aufziehen nahm er sich zwei Minuten...

Die Khaosan Road ist weniger eine Straße als mehr ein Gewirr aus Gassen. Früher ein Geheimtipp der Backpackersgemeinde ist es heute das Mallorca der europäischen Lowbudget-Touristen, wo an jeder Ecke Schund verkauft wird. Ein bisschen so wie jede europäische Einkaufsstrassen nur mit mehr Dreadlocks und Leuten in "Surf Thailand"-T-Shirts (Obwohl sie echt nicht nach Surfern aussahen).

Leider wusste mein Fahrer nicht genau, wo das Hostel war, so dass noch eine halbe Stunde durch die Gegend laufen musste, bevor ich mich ins Bett legen konnte. Kurz vor dem Einschlafen wunderte ich mich noch, wo denn die Dusche sei und suchte auf dem Evakuierungsplan an der Zimmertür nach einer Gemeinschaftdusche - keine da. Bei der genaueren Inspektion meines Badezimmers bemerkte ich den Duschschlauch direkt hinter der Tür. Das ganze Zimmer war die Dusche!

Nach meinem wohlverdienten Nickerchen war es bereits 17:00, so dass ich meine großen Besichtigungspläne strich, zumal nie sicher sein konnte, ob ich einen Taxifahrer finden würde, der genug Englisch sprechen bzw. lesen konnte um mich zurückzubringen. So bin ich durch die Gegend gestromert, hab mir keine T-Shirts andrehen lassen, sondern zwei Tempel und eine Festung angesehen und mich an diversen Garküchen, die dort als Handkarren durch die Gegend geschoben werden, satt gegessen. Das Essen wird, wie Ihr oben gesehen habt, in kleinen Tütchen verkauft und entspricht nicht immer ganz der europäischen Küche (die Heuschrecken waren aber trotzdem lecker).



Eine Episode will ich Euch nicht vorenthalten: gegenüber eines Tempels ausserhalb des Backpackers-Malle entdeckte ich einen Kaffeeshop. Da ich schon mindestens acht Stunden auf Entzug war, konnte ich nicht widerstehen. Der Espresso bestand zwar überwiegend aus Robusta-Bohnen, dafür kam ich schnell mit dem überraschend gut Englisch sprechenden Besitzer ins Gespräch.
Nachdem wir uns über Gott und die Welt, das Kaffeegeschäft, Thailand und beliebte Sportarten unterhalten hatten, fragte er mich wo genau ich her käme. Ich antwortete "Frankfurt.". "You know Ainacht Frankfurt?","You mean Eintracht Frankfurt?","Yes!". Tja, sogar im Fernen Osten kennt man den besten Verein Deutschlands. Wer ist eigentlich dieser Bayern München oder Schalke oder Borussia Dortmund?

Montag, 23. Juli 2007

O Frankoforte, ...

...wenn ich Dich seh, fehl'n mir die Worte! Deine Häuser, die wachsen in den Himmel rein, es will mir nicht in den Kopf hinein, wie kann ein Mensch denn nur nicht aus Frankfurt sein! (Rodgau Monotones)

Klar, kurz bevor ich losfliege wollte ich noch einmal meine Heimatstadt besuchen. Und Oma, die Patenmonster und alle anderen natürlich auch.

Es war wie immer wunderschön und Gudrun war nicht nur von der Stadt, sondern auch von den Frankfurter Spezialitäten begeistert, was sie unter anderem durch eine eindrucksvolle Fotostrecke zum Ausdruck brachte (einen Auszug seht Ihr hier).

Montag abend ging es dann an den Flughafen. Zu meiner Überraschung hatte ich keinen großen, sondern einen Riesenbahnhof. Da waren Gudrun, Mutter, Oma, Johannes und Katharina (die Patenmonster), Michael und Jeanette (Monstereltern) und, als Überraschung extra aus Leipzig gekommen, Martin. Auch wenn der Abschied traurig war, hab ich mich gefreut, dass soviele Leute da waren.
Nachdem ich mir fast noch rektale Untersuchung eingehandelt hatte, weil ich mit einer ungefährlichen, aber aus Aluminium bestehenden Kaugummiverpackung durch den Metalldetektor gegangen war, saß ich schließlich im Flugzeug. Erinnert Ihr Euch, dass ich behaupte immer neben dem fetten Kerl im Flieger sitzen zu müssen? Dick war meine Platznachbarin auch... viel störender war aber die Tatsache, dass sie ihre Flugangst ausgerechnet neben mir ausleben musste. "Was ist das für eine Tasche???" - Sie meinte meine ordnungsgemäß unter (!) dem Sitz verstaute Tasche... "Was ist, wenn wir plötzlich raus müssen???" - Dann hätten sie ihre Extrapfunde mehr gestört als meine Tasche..."Oh mein Gott, ich glaub ich muss hyperventilieren" und so weiter. Dank des übermäßigen Konsums ein gewissen Aktionserie weiß ich zwar genau, wie seinen Nebenmann im Flugzeug diskret und schnell zum Schweigen bringt - aber dann hätte ich dem Mann einen Sitz weiter erklären müssen, warum ich seine Ehefrau gerade niedergeschlagen habe.
Also versuchte ich alles an Alkohol abzukriegen, was die Flugbegleiterinnen so verteilten und flog meiner ungewissen Zukunft entgegen...

Dienstag, 17. Juli 2007

Aus dem Leben eines Studentenvertreters...

Zu meinen Freizeitaktivitäten in Leipzig gehörte ja unter anderem die Vertretung von Studenteninteressen.
Und da offensichtlich reges Interesse an meiner Korrespondenz mit einem ganz speziellen Lehrenden besteht, veröffentliche ich Sie hier anonymisiert und wertfrei:

Sehr geehrte Frau Prof. X,

vergangene Woche sind mehrere Kommilitonen an uns herangetreten mit der Bitte Unregelmäßigkeiten bei der QSBX-Klausur vom XX.XX.07 zu klären. Vor allem zwei Punkte waren Anlass zur Beschwerde:
Zu einen wurden die Klausurbögen kommentarlos ausgeteilt, ohne dass die Studenten von Ihnen begrüßt oder über die Prüfungsdauer informiert waren. Die Frage nach dem Befinden der Studenten und ob sie bereit wären an der Prüfung teilzunehmen erscheint auf den ersten Blick überflüssig, ist wohl jedoch aus juristischen Gründen obligat. Sie nicht zu stellen macht die Prüfung in den Augen einiger Kommilitonen rechtlich angreifbar.
Ebenso unvorbereitet wie die die Ausgabe der Bögen traf die Studenten das Einsammeln selbiger. Es erfolgte nämlich ohne Vorwarnung nach kaum mehr als 40 Minuten Prüfungszeit. Die vielen nicht ausgefüllten Aufgaben haben Ihnen sicher einen Hinweis gegeben, dass die frühe Abgabe viele Prüflinge auf dem falschen Fuß erwischt hat.

Neben den Formalien und der kurzen Klausurzeit erschien auch die Menge der Aufgaben unangemessen. Die Klausur enthielt, wenn ich mich recht erinnere, 25 Punkte, von denen die meisten in mindestens zwei Untereinheiten geteilt waren. So ergibt sich pro Aufgabe eine Bearbeitungszeit von weniger als einer Minute. Zum Vergleich: für die Lösung einer MC-Frage bei der ein Student lediglich die richtige Antwortoption aus fünf Möglichen finden und ein Kreuz setzen muss, werden anderthalb Minuten Lösungszeit angesetzt. Für die schriftliche Beantwortung freier Fragen sollte daher mehr als der Bruchteil einer Minute veranschlagt werden.

Die Notenverteilung hat Sie sicher schon darauf hingewiesen, dass diese Klausur alles andere als optimal verlaufen ist. Wir möchten Sie bitten, zu den Problemen Stellung zu nehmen und, besonders im Hinblick auf die Nachprüfung, Abhilfe zu schaffen. Für Rückfragen und Gespräche stehen wir gerne zu Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Hans Damerow
StuRaMed






Und hier die Antwort:





Ist das ein Scherz? Hat ein armes Opfer mitgeschrieben, obwohl es nicht in der Lage dazu war, weil es nicht wusste, dass man zurücktreten und den Hörsaal verlassen kann?
Was die Prüfungsdauer angeht, war seit Semesterbeginn bekannt - und das wurde auch im direkten Vorfeld mehrfach gesagt - dass die Bearbeitungsdauer 45 Min. beträgt (womit hatten Sie denn kalkuliert??!!), dies wurde auch eingehalten und ich habe in der letzten Minute eine entsprechend Ansage gemacht (manche Kommilitonen haben einfach nicht abgegeben, mit Diesen sollten Sie sich auseinandersetzen. Wollen Sie wirklich, dass ich eine groß angelegte Anti-Betrugskampagne starte? KEIN PROBLEM, dann fallen etwa 25 weitere Personen durch!).
Die Story von der zu kurzen Bearbeitungszeit ist lächerlich: Es gab so gut wie keine Lücken in den Bögen und es wurde mindestens viermal so viel geschrieben, wie ich erhofft hatte. Die Punktzahl entspricht im Übrigen der der Terminologieklausur und da wird 30 Min. geschrieben! Sie sollten außerdem inzwischen wissen, dass bei MC-Fragen nicht die Zeit des Kreuzchen-Machens entscheidend ist, sondern die LESEZEIT, die die z.T. verzwickt formulierten Fragen erfordern. Im Übrigen konnten wir als Aufsicht unabhängig voneinander feststellen, dass nach 30 Min. alles zu Papier gebracht war, was die Teilnehmer SELBER wussten und im Rest der Zeit wurde gnadenlos gespickt - da war unsere Klausur aber sicher nicht die Einzige, bei das der Fall war (es war wegen der verschiedenen Gruppen nur schwerer). Auch diesbezüglich müssen Sie sich aber mit den Akteuren und nicht mit mir in Verbindung setzen.
Die Notenverteilung entspricht fast genau der vom vergangenen Jahr (sie entspricht auch ungefähr den seinerzeitigen Leistungen Ihres Jahrgangs im Terminologiekurs) und ist daher nicht überraschend, problematisch oder sensationell, sondern ist bei dem ungewohnten Themengebiet, bei der Interessenslage der Teilnehmer und angesichts der offenen Fragen nicht anders zu erwarten.
Mfg
Prof X

Montag, 16. Juli 2007

Omnia mea mecum porto




"Alles was ich besitze trage ich bei mir". Wer so etwas von sich behaupten sich behaupten kann, ist entweder ein knallharter Hund oder ein griechischer Weiser. In jedem Fall hat er es verdient, Titelgeber des zweiten Blog-Eintrages zu werden.


Auf mich bezogen bedeutet das Zitat: alles was mir gehört (und nicht im Keller meiner Wohnung eingelagert ist) liegt in zwei Wäschekörben im Kofferraum meines Autos.
Der Auszug ging überraschend reibungslos vonstatten dank meiner Helfer: Martin und den beiden tasmanischen Putzteufeln Gudrun und Sigrid.



Jetzt mal ehrlich: so sauber und aufgeräumt kennt Ihr meine Wohnung doch gar nicht, oder?

Gruß,
Hans

Samstag, 14. Juli 2007

T minus 8 Tage und 9 Stunden

Hallo und herzlich willkommen auf meinem Blog!

meine Abreise nach Australien rückt nun immer näher. Momentan sitze ich zwar noch vor dem Computer und kämpfe mit den Nachwirkungen des gestrigen Abends, aber die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren! Gestern noch schnell die (hoffentlich) letzte Klausur des Studiums geschrieben, heute und morgen wird die Wohnung eingepackt - auf geht's!

In Zukunft will ich Euch in regelmäßigem Abständen von meinem Leben in Australien berichten. Freut Euch auf Geschichten aus dem Land der Känguruhs!

Gruß,
Hans